Böhmes Small Talk

mit Dr. Rupert Hengster, Gründungspartner und Geschäftsführer des unabhängigen Finanzdienstleisters Dr. Hengster, Loesch & Kollegen, ein Beratungsunternehmen mit dem Schwerpunkt auf institutionellem Asset Management

09.11.2017 Böhmes Small Talk von Carsten Böhme

Carsten Böhme: Sie arbeiten seit Jahrzehnten eng mit institutionellen Investoren zusammen und kennen deren aktuelle Gemütslage sehr gut. Wie ist die Stimmung bei den deutschen Versicherungen, Pensionskassen und Stiftungen vor dem Hintergrund historischer Niedrigzinsen und politischer Krisenherde?

Dr. Rupert Hengster: Ich habe durch viele Gespräche den Eindruck gewonnen, dass die Investoren sich mittlerweile recht gut auf das niedrige Zinsniveau eingestellt haben. Eine kurz- bis mittelfristige Änderung ist auch nicht zu erwarten. Wenn man jetzt von steigenden Zinsen in einigen Märkten spricht, dann reden wir über einen Anstieg in sehr bescheidenem Umfang – für institutionelle Investoren weit davon entfernt, um von ausreichend reden zu können. Gute Investmentideen mit fairem und attraktivem Risk-Return-Profil sind also weiterhin stark gesucht.

Auch von den politischen Krisenherden kann und darf man sich nicht verunsichern lassen. Politische Krisen sind leider fast alltäglich geworden, dennoch wäre es fatal, dies als quasi normal abzutun. Es ist nicht vorhersehbar, was wann und wo als nächstes passiert. Der Investor schützt sich daher am besten durch eine möglichst breite Asset-Allokation.

Allein in den vergangenen zehn Jahren gab es zwei große Finanzkrisen: 2007 brach die Subprime-Krise über die Börsen ein, 2010 begann die Eurokrise. Hat sich das Verhalten der institutionellen Investoren vor diesem Hintergrund geändert?

Der große Teil der Investoren hat sich an diese Situation angepasst, die Risikobereitschaft ist aber generell zurückgegangen. Der Regulator war ja in den vergangenen Jahren auch sehr kreativ und umtriebig. Nicht alles, was vorgeschrieben wurde, ist für institutionelle Investoren und für die Asset-Management-Branche auch sinnvoll. Verbote des Regulators treiben den Investor häufig in vermeintlich sichere Asset-Klassen, die aber durchaus mit Risiken behaftet sind. Viele Regularien könnten den Anleger in trügerischer Sicherheit wiegen. Doch der Anleger sollte aufmerksam bleiben: Kapitalmärkte stehen immer im Spannungsfeld zwischen Risiko und Ertrag. Wichtig ist deshalb, dass man professionell genug ist, die eingegangenen Risiken zu managen.

Welche Chancen ergeben sich hieraus für Asset-Manager mit ihren Investmentlösungen?

Aus unserer Sicht können Investmentlösungen grob in die Bereiche Real Assets und Liquid Alternatives eingestuft werden. Investments in diese Bereiche helfen dem Investor, eine langfristig stabile Rendite zu erzielen, und er erhält darüber hinaus auch eine bessere Diversifikation. Einige Investmentideen erfordern beim Investor etwas Mut, weil man beispielsweise relativ früh in ein neues Thema investiert, dafür winkt ein lukrativer Zusatzertrag als Belohnung.

Einhergehend mit der allgemeinen Globalisierung hat sich der Wettbewerb im Asset-Management in Deutschland verändert, sogar intensiviert. Zahlreiche ausländische Anbieter haben sich in Deutschland etablieren können – oder kämpfen verbissen um jeden Anleger. Welchen Anteil haben institutionelle Investoren an diesem Erfolg? Ist hier die Bereitschaft besonders groß, vermeintlich neuen Adressen Kapital anzuvertrauen?

Es ist durchaus so, dass die veränderte Landschaft im Geschäft mit institutionellen Investoren diejenigen Asset-Manager begünstigt, die ein gut durchdachtes Anlagekonzept anbieten, in der Vergangenheit eine gute Performance erzielt haben und auch schon einen gewissen Track-Record aufweisen können. Traditionelle Hausbanken-Denke gibt es nur noch sehr eingeschränkt. Man braucht in Deutschland weiterhin Geduld. Und man sollte die verschiedenen Investorengruppen gut kennen, besonders deren Präferenzen hinsichtlich Verpackung und Strukturen. Wenige ausländische Asset-Manager erarbeiten für Deutschland wirklich eine fundierte Markteintrittsstudie. Viele gehen einfach so vor wie in der Vergangenheit in anderen Ländern – es wird nicht auf die landestypischen Besonderheiten geachtet. Ein Fehler, wie ich meine.

Erwarten Sie in den kommenden Jahren weitere Markteintritte in Deutschland? Und wenn ja, in welchen Asset-Klassen? Aus welchen Ländern könnten diese neuen Wettbewerber kommen?

Gerade nach dem Brexit wird der deutsche Kapitalmarkt, und somit auch der deutsche Investor, noch mehr im Fokus ausländischer Asset-Manager stehen. US-amerikanische, aber auch asiatische Asset-Manager werden direkter den deutschen Markt angehen. Real Assets, wie Immobilien oder auch Infrastruktur, werden weiter gesucht werden. Vielleicht wird es aber auch ganz neue Investmentideen geben, die Branche ist ja Gott sei Dank weiterhin innovativ.

Trotz der Erfolgsgeschichten von Blackrock, Carmignac oder auch Flossbach sind natürlich auch viele Markteintrittsversuche hinter den Erwartungen geblieben. Welche typischen Fehler könnten Newcomer aus Ihrer Sicht leicht vermeiden?

Jeder Markt hat seine Eigenheiten und Besonderheiten. Gerade Deutschland ist hier sehr speziell, schon allein durch seine Dezentralisierung. Die Investoren sind über ganz Deutschland verteilt, da bringt es nichts, für ein bis zwei Tage einfach mal kurz einzufliegen. Oder bedenken Sie, wie viele unterschiedliche Versorgungswerke es gibt: sich hier einen guten Platz zu erarbeiten, ist nicht einfach und dauert. Und dann noch die Regulation. Kurzum, Sie brauchen einen sehr guten, erfahrenen und motivierten Vertrieb. Dies wird meist unterschätzt. Auch das beste Produkt verkauft sich nicht von selbst, dafür ist der Wettbewerb um die Investorengelder einfach viel zu groß. Deswegen ist die Kernkompetenz unseres Unternehmens, die am deutschen und am österreichischen Markt für institutionelle Investoren interessierten Asset-Manager im Vertrieb gut, erfolgreich und langfristig zu unterstützen.

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# AM # Asset Management # Investments

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