CEO-Wechsel nach Machiavelli

21.04.2015 CEO-Positionierung von Thomas Stein

Führungskräfte berufen sich nur all zu gern auf den italienischen Philosophen und Politiker Niccolò Machiavelli, wenn sie unliebsame, bisweilen rücksichtslos erscheinende Maßnahmen ergreifen. Dies gilt beim Einstieg eines neuen CEOs, der Handlungsfähigkeit beweisen und sich Respekt verschaffen will, umso mehr. Gleichzeitig wird Machiavelli Unrecht getan, wenn man ihn ausschließlich und aus heutiger Sicht mit einer amoralischen Führungskultur in Verbindung bringt. CEOs, die sich als „harte Hunde“ inszenieren, wenig kommunizieren und sich rücksichtslos zeigen, verlieren die Loyalität ihrer Mitarbeiter. Damit gefährden sie durch Motivationserosion und Mitarbeiterflucht den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens – und betreiben so das Gegenteil von Machiavellis Machterhaltungsstrategie.

In schwierigen Zeiten müssen CEOs harte Entscheidungen treffen. So wenig die Härte einer Entscheidung aber ein Beleg für Führungsqualität ist, so wenig muss sie Ausdruck von Rücksichtslosigkeit sein. Eine harte Entscheidung wird erst dann als rücksichtslos wahrgenommen, wenn die vorausgegangene Rücksichtnahme, etwa das Abwägen von Alternativen, nicht kommuniziert wird oder nicht nachvollziehbar ist. Zugleich bewerten Mitarbeiter und andere Stakeholder eines Unternehmens Veränderungen auch nach dem Verhalten und der Kommunikation eines CEOs im weiteren Umfeld. Wird sein Verhalten generell als rücksichtslos empfunden, wird auch jede Unternehmensentscheidung als hart und machtgetrieben bewertet und eine Rechtfertigung tendenziell abgesprochen. Aus Kommunikationssicht sollten daher stets alle wichtigen Entscheidungen gut begründet werden, damit sie für die Stakeholder des Unternehmens nachvollziehbar sind und nicht ungerechtfertigt erscheinen.

Machiavelli schrieb in seinem Buch „Il Principe“: „Die Hauptobliegenheit eines jeden Fürsten ist, sich vor Hass oder Geringschätzung zu hüten.“ Dieser Satz gilt auch für CEOs als „Fürsten“ in ihren Unternehmen. Mitarbeiter, die den CEO ablehnen oder auf ihn herabschauen, werden sich nicht für ihn einsetzen – oder sogar gegen ihn arbeiten. Gute Führungskräfte verschaffen sich dagegen mit transparent kommunizierten Entscheidungen, einem selbstreflektierten Führungsstil und unternehmerischer Weitsicht den nötigen Respekt und die Anerkennung. Umso wichtiger ist dieses Führungsverhalten in einer auf Konsens ausgerichteten Kultur wie in Deutschland. Ausländische CEOs tun sich hier mitunter schwer – und können damit auch an kulturellen Unterschieden scheitern.

Siehe auch: Wirtschaftswoche Online, 21.04.2015 - „Jeder fünfte CEO wird vom Hof gejagt“

# CEO # Führung # Kommunikation

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