Gesund und digital

21.09.2016 Digitale Kommunikation von Antonia Albrecht

Die „Digitalisierung des Gesundheitswesens“ schreitet rasant voran. Das zeigt sich auch daran, dass der britische National Health Service (NHS) angekündigt hat, bis 2020 komplett papierlos zu arbeiten. So sollen in Zukunft sämtliche Gesundheitsdaten, wie beispielsweise Laborbefunde und Röntgenaufnahmen, online zugänglich sein. Patienten und Ärzte können dann jederzeit und überall Zugriff auf Gesundheitsdaten via Laptop oder Smartphone haben. Pläne dieser Art stehen aber nicht nur für Fortschritt, sondern rufen auch Skepsis hervor – und müssen deshalb kommunikativ begleitet werden.

Schon jetzt nutzen viele Briten und Deutsche „Gesundheits-Apps“, um beim Sport den Puls zu messen, sich bei der Ernährung unterstützen zu lassen oder ganz allgemein Fragen zu Krankheiten oder Symptomen zu recherchieren. Der „digitale Patient“ wird in Deutschland für sein gesundheitsbewusstes Verhalten auch vermehrt von Krankenversicherungen mit individuellen Bonusprogrammen belohnt – die Nutzung von Smartwatch, Fitness-Tracker & Co. machen den Datentransfer zur Krankenkasse möglich. Für viele ein Anreiz, dem Megatrend Digitalisierung zu folgen. Doch bei mehr als 100.000 Gesundheits-Apps auf dem Markt ist es für Patienten und Ärzte zunehmend schwierig, zwischen guten und schlechten Angeboten zu unterscheiden.

Dass die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung nicht nur Chancen, sondern auch Herausforderungen und Risiken mit sich bringt, ist spätestens seit dem Beschluss des „E-Health-Gesetzes“ im Dezember 2015 politische Realität in Deutschland. Die Digitalisierung im Gesundheitsbereich setzt Datenschutz und Patientenautonomie voraus, hier hat die Bundesregierung noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Bemühungen für ein Gütesiegel für Gesundheits-Apps sind dabei nur ein kleiner Schritt auf einer komplexen „Road-Map“.

Auch um den NHS bis 2020 papierlos zu gestalten, bedarf es mehr als Richtlinien. Ohne eine klare Kommunikationsstrategie droht der Prozess des digitalen Wandels an mangelnder Akzeptanz zu scheitern. Umfragen zufolge sehen 80 Prozent der NHS-Führungskräfte zwar den Nutzen in der Digitalisierung von Patientendaten und der Verbreitung von „Wearables“. Gleichzeitig bezweifelt nahezu die Hälfte der Befragten, dass die vorhandenen Strukturen und Fähigkeiten ausreichen, diese digitale Transformation in vier Jahren zu bewältigen.

Ein Weckruf, das Tempo der Digitalisierung nicht zu unterschätzen und alle Beteiligten frühzeitig von der digitalen Transformation kommunikativ zu überzeugen.

# Digitalisierung # Gesundheitswesen # Apps

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