Hauptversammlung als Computerspiel?

25.06.2018 Kapitalmarkt & Investor Relations von Ursula Querette 

Neulich auf der Konferenz des Deutschen Investor Relations Verbands (Motto: Titelverteidigung Deutschland – Sport, Wirtschaft, Kapitalmarkt) stellte die Firma Staramba ihre Avatare vor, mit denen Fußballspiele in der virtuellen Realität simuliert werden können. Wäre das nicht eine Lösung für Hauptversammlungen von börsennotierten Unternehmen?

Die Hauptversammlung als Computerspiel: Der Aufsichtsratsvorsitzenden-Avatar trägt die rechtlichen Texte vor, die ja sowieso ohne jede Gefühlsregung komplett abgelesen werden. Auch die übrigen Aufsichtsratsmitglieder, die ohnehin fast nie zu Wort kommen, werden durch Avatare vertreten. Die Rede des Vorstands wird live als Videokonferenz eingespielt. Die Aktionärs-Avatare können ihre Fragen im Chat eingeben. Wer will, kann virtuell als Avatar ans Rednerpult treten. Das Backoffice ist dezentral organisiert. Die Fragen beantworten die Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensstrategen, Produktmanager, Finanz- und Investor Relations-Spezialisten von ihren Arbeitsplätzen aus und spielen sie im Chat zurück. Die Abstimmung findet im virtuellen Raum statt. Das Auswertungsprogramm wirft die Ergebnisse per Knopfdruck aus.

Eine wunderbare Lösung: Sie ist zeitschonend, es entstehen weder Reisekosten noch Abgase. Das einzige Problem sind die Würstchen, Brötchen, Brezen und Suppen. Sie lassen sich nicht virtuell essen.

Im Ernst: Woran liegt es, dass Hauptversammlungen in Deutschland noch nicht komplett online abgehalten werden können? In der Tat ist es eine der wenigen, wenn nicht die einzige Gelegenheit im Jahr, bei der die Privatanleger eines Unternehmens „ihr“ Management zu Gesicht bekommen – und zwar „in echt“. Und wo sie sich zu strategischen, operativen und kapitalträchtigen Ereignissen äußern und darüber abstimmen können. Die Rechtsprechung legt Wert darauf, dass dies physisch geschieht. Auch wenn hier und da Aktionäre diese Plattform zur unkonstruktiven Eigendarstellung nutzen: Das Management sollte versuchen, den Mehrwert dieses Austauschs mit der Basis zu erkennen und zur Inspiration zu nutzen – oder sich Gedanken darüber machen, wie man in häufigeren, unterjährigen Abständen in direkten Dialog mit den Privatanlegern tritt. Wir haben einige Ideen dazu.

Nach oben

# Hauptversammlung # Investor Relations # Aktionäre

Zurück