2017: Die „ismus-Trends“ und ihre Folgen für die Kommunikation

19.12.2016 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Thomas Stein

Ob Brexit, Erdogan, die Trump-Wahl oder der Aufschwung der extrem linken und rechten Parteien in Griechenland, Spanien, Frankreich, Polen, Ungarn, Holland, Österreich oder Deutschland: 2016 war kein gutes Jahr für freiheitlich und europafreundlich denkende Demokraten. Damit zeichnen sich Trends ab, die unsere gesellschaftliche Ordnung und die Kommunikation grundlegend verändern. Und es geht längst nicht nur um eine Verschiebung der relevanten Kommunikationskanäle, sondern vor allem um Inhalte und Tonalität.

Aus den großen Ereignissen des vergangenen Jahres lassen sich wesentliche Trends – die „ismus-Trends“ – ableiten: Populismus, Nationalismus, Protektionismus und Extremismus. Mit diesen Trends gehen unmittelbar zwei weitere Entwicklungen einher: Zum einen sehen sich die, per Arbeitsauftrag grundsätzlich kritischen, Journalisten einen im Westen seit dem Nationalsozialismus nicht mehr dagewesenen Angriff auf ihre Glaubwürdigkeit ausgesetzt. Stichwort: „Lügenpresse“. Zum anderen bricht sich ein Anti-Establishment Bahn. Ob diese Entwicklungen zu einem grundlegenden politischen Systemwechsel oder nur zu Anpassungsprozessen innerhalb der Demokratien führen, liegt einmal mehr an Politik – und der Kommunikation in der Öffentlichkeit.

Kommunikation ist stets Ausdruck von Haltung. Die geschliffenen Worte vieler Politiker und Unternehmensvertreter scheinen eine Vielzahl von Menschen nicht (mehr) zu überzeugen. Andererseits sind selbst nachweisliche Lügen und Hasstiraden von Politikern kein Hindernis für Wähler, ihnen ihr Vertrauen auszusprechen. Dahinter steht ein tiefes Misstrauen gegen eine vermeintliche Elite, die „sowieso macht, was sie will und stets gegen uns hier unten arbeitet“. Finanzkrise, Millionenboni für Vorstände oder politische Arroganz mögen zu dieser Einstellung beigetragen haben. Je mehr Menschen sich von den Etablierten hintergangen oder von den globalen Veränderungen bedroht fühlen, desto größer wird die Kraft, die demokratische Systeme gefährdet.

Um Vertrauen in Politik – und Wirtschaft –  wiederzuerlangen, müssen sich darum Haltung und Kommunikation verändern. Ein an gesellschaftlichen Werten orientiertes, konsequentes Handeln ist ebenso erforderlich wie eine verständliche Sprache „auf Augenhöhe“. Verhalten zum Schaden der Allgemeinheit muss konsequenter sanktioniert werden, auf allen Ebenen und in allen Positionen. Der Hauptfeind von Glaubwürdigkeit und offenem Diskurs bleibt die Lüge. Auch die durch Verschweigen. Darüber hinaus müssen Sprache und Aussagen verständlicher werden. Nüchterne Sachlichkeit wird zunehmend als Arroganz interpretiert und verliert an Glaubwürdigkeit. Darum ist eine authentische Emotionalität in der neuen Kommunikationswelt nicht nur erlaubt, sondern geboten.

# Brexit # Donald Trump # 2017 # Kommunikationstrends # Populismus

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