Börse oder Fußball? Hauptsache Italien …

15.11.2018 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Dr. Ina Kolanowski 

Auf den ersten Blick haben Wirtschaftspresse und Fußball-Berichterstattung wenig gemeinsam. Auf den zweiten Blick ist die mediale Einschätzung der Märkte genauso wie in der Fußball-Bundesliga häufig getrieben von Emotionalisierung und Agenda Setting. Nachdem im Februar dieses Jahres die Märkte aufgrund einer Vielzahl von Einflüssen volatiler geworden sind und der Dax signifikant verloren hat, sind einige Anleger deutlich sensibler bezüglich der Marktbewegungen. Es geht das Gespenst vom Ende des jahrelangen Aufwärtstrends an den Aktienmärkten um. Befeuert wurde dies durch die flankierende Berichterstattung. Einige Medien sprachen von „Seitwärtsbewegungen“ an den Märkten, andere vom „Börsen-Crash“. Ähnlich verhielt es sich in diesem Jahr auch in der Berichterstattung zu politischen Großereignissen wie der Italienwahl oder dem Handelskrieg zwischen den USA und China. Häufig boten sie Gelegenheit für Zuspitzungen und Spekulationen im Hinblick auf die Auswirkungen an den Märkten. Letztendlich fiel der Ausschlag an den Börsen doch weit geringer aus als prophezeit. Dies zeigt, dass ökonomische Fundamentaldaten verlässlicher sind als etwa emotionale Tweets. Hinter der Medienrealität verbirgt sich die Gefahr, dass solche Sentiments – konstruiert oder real – eine Eigendynamik entwickeln und Multiplikator-Effekte erzielen können.

Ähnlich sensibel scheint die mediale Lage um den Bundesliga-Primus Bayern München. Dieser hat, nach sechs Jahren Dauermeisterschaft, Doubles und einem Triple, im Herbst dieses Jahres drei Spiele in Folge keinen Sieg erzielt und ist aktuell nicht mehr Anführer der Tabellenspitze und gefühlter sicherer Meister. Nach drei Niederlagen in der Bundesliga und einer schwachen Performance in Champions-League und beim DFB-Pokal fordern die Medien bereits den Trainerwechsel und stellen der Mannschaft ein verheerendes Zeugnis aus. Leider haben es die Bayernbosse verpasst, die Medienschelte auf der extra einberufenen (Pressekonferenz)am 20. Oktober mit den richtigen Kernaussagen einzuordnen und zu entkräften. Vielmehr heizten sie die Diskussion durch eine schlecht durchdachte Kommunikationsstrategie zusätzlich an.

Börse oder Fußball: Hauptsache die Vorbereitung stimmt. Ohne eine gut geplante Interviewvorbereitung mit einer fundierten Story und klaren Kernaussagen überlässt man nur allzu schnell den Journalisten das Spielfeld und gibt die Botschaft aus der Hand. Für ein proaktives Agenda-Setting ist die inhaltliche Vorbereitung der zentralen Botschaften und des Medientrainings entscheidend. Dann braucht man auch nicht gleich ein Interview mit sich selbst zu führen, wie jüngst der Außenverteidiger des Bundesligisten Eintracht Frankfurt, (Danny da Costa), nach dem letzten Sieg im Europapokal und vor dem Spiel gegen Schalke04, bei dem die Eintracht in der Tabelle am ehemaligen Dauersieger Bayern vorbeigezogen ist.

# Berichterstattung # Kommunikationsstrategie # Medien # Journalismus

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