Cannabis – Gegen manche Berichterstattung scheint kein Kraut gewachsen

18.03.2019 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Thomas Stein 

 

Cannabis kann Menschen mit starken Schmerzen helfen, wieder ein lebenswertes Leben zu führen – bei einem im Vergleich zu vielen anderen Schmerzmitteln guten Nebenwirkungsprofil. Soweit die Fakten. Wer aber medizinisches Cannabis anbaut oder damit handelt, wird in Medienberichten oft als „Dealer“ bezeichnet, der dann auch noch „Millionen scheffeln will“. Warum schaffen es manche Medien nicht, Medizinalcannabis in ihrer Berichterstattung von illegalen Drogen zu trennen?

Dass Cannabis als jahrtausendalte Kulturpflanze bei vielen Krankheiten helfen kann, haben die meisten Regierungen in der EU erkannt. Die Verwendung von Cannabis für medizinische Zwecke ist heute bereits in vielen Ländern erlaubt oder ein entsprechender Gesetzentwurf dazu ist auf dem Weg. Auch die Gesundheitspolitik in Deutschland hat den Weg dafür geebnet, dass Krankenkassen die Kosten für eine Behandlung mit Medizinalcannabis erstatten. Seit März 2017 ist die Nutzung von Cannabis als Arzneimittel in Deutschland entsprechend geregelt.

2018 gab es rund 60.000 Patienten in Deutschland, die Medizinalcannabis verschrieben bekommen haben. Vergleiche mit anderen Ländern, in denen Cannabis schon länger als Medizin zugelassen ist, zeigen, dass bis zu drei Prozent der Bevölkerung Medizinalcannabis verwenden könnten. In Deutschland sind das rund 2,5 Millionen Menschen. In Europa ergibt sich ein Potenzial von rund 15 Millionen Menschen für die Anwendung von Medizinalcannabis.

Patienten, die Medizinalcannabis erhalten, und Unternehmen, die die Versorgung hiermit sicherstellen wollen, werden jedoch durch Medienberichte regelmäßig in die Schmuddelecke gestellt. Zu groß scheint die Versuchung, Klischees zu bedienen und jede Art der Produktion oder Verwendung von Cannabis mit „Dealen, Kiffen & Co.“ gleichzusetzen. Mit fatalen Folgen. Denn die Berichterstattungen verhindern, dass Ärzte und Patienten vorurteilsfrei prüfen, ob Cannabis im jeweils konkreten Fall ein geeignetes Arzneimittel ist oder nicht.

In der Kommunikation zu Medizinalcannabis empfehlen wir, maximale Distanz zur Diskussion um Cannabis als Genussmittel und zur „Legalize-Community“ aufzubauen. In Gesprächen und Interviews mit Journalisten sollten so ausschließlich die medizinischen Anwendungsbereiche, der Patientennutzen sowie der Mehrwert von Cannabis als Medizin thematisiert werden.

# Medizinalcannabis # Gesundheitspolitik # Krankheit # Arzneimittel

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