Der Greta-Effekt: Verspielen Marken, Unternehmen und die Politik die Zukunft?

24.06.2019 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Bernd Buschhausen 

Im August 2018 schwänzt eine junge Schwedin den Unterricht, um vor dem Reichstag in Stockholm für einen Wandel in der Klimapolitik zu protestieren: der Anfang der „Fridays for Future“-Bewegung. Kaum sechs Monate später sitzt eben diese Greta Thunberg mit den mächtigsten Wirtschaftslenkern, Milliardären, Philanthropen, Politikern und Journalisten des Planeten beim Weltwirtschaftsforum in Davos und macht deutlich, was die junge Generation umtreibt: „Ich will, dass ihr in Panik geratet. Ich will, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre. [...] Ich will, dass ihr handelt, als würde euer Haus brennen. Denn es brennt.“

Mit diesen Worten bricht Greta Thunberg mit den Konventionen, die bis heute die Entscheidungsprozesse zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft prägen. Denn die diplomatisch verklausulierte Gipfel-Kommunikation übertüncht „normalerweise“ eine große Sorge: dass der kleinste gemeinsame Nenner nicht ausreicht, die großen Probleme unserer Zeit zu lösen.

Hier zeigen die Worte von Greta Thunberg Wirkung: Wahrhaftig disruptiv stellt sie in Frage, was die Generation vor ihr erarbeitet hat. Damit eröffnet sie eine neue Perspektive auf die Klimaproblematik und bringt eine neue Dynamik in den Diskurs – aus Sicht zukünftiger Generationen.

Die Umkehr des Blickwinkels ist auch ein Weckruf an die Kommunikatoren für Marken, Produkte und Politik: Mit den konventionellen Argumenten und Ansätzen laufen sie Gefahr, das Vertrauen einer ganzen Generation zu verspielen und zukünftige Verbraucher bzw. Wähler zu verlieren.

Besonders deutlich wird dies an der Rede der 18-jährigen Clara Mayer, „Fridays For Future“-Sprecherin in Deutschland, auf der Hauptversammlung des führenden deutschen Autobauers VW 2019. Die vom VW-Vorstand erläuterte Zukunftsvision für E-Mobilität und Netto-Null in den Klimaemissionen bis 2050 dauere zu lange. „Bis dahin ist es fast doppelt so lange, wie ich bisher gelebt habe. Ist das Ihre Vorstellung von radikalem Wandel? [...] Ihr habt das Problem nicht ansatzweise verstanden“, beklagte Mayer.

Die jungen Aktivisten begeistern die Mengen mit der Beschreibung des Kaisers neuen Kleidern, direkt und unvoreingenommen. Der Effekt: Wir müssen alle unsere Ansätze überdenken, um mit klarem Blick die richtigen Lösungen für die Zukunft zu schaffen. Dies gilt auch für die Kommunikation unserer Politik, Produkte und Marken. Denn nur so wird die zukünftige Generation die alte mit auf ihre Reise nehmen.

# Greta Thunberg # Fridays for Future # Davos

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