„Deutschland macht’s effizient“ – auch beim Thema Energie?

06.07.2017 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Natalie Hallensleben

Die Energiewende in Deutschland ist eine reine Stromwende: Raus aus der Atomkraft, mehr Strom aus erneuerbaren Energien. Die beste Energie ist allerdings die, die man nicht verbraucht. Das hat auch die Politik erkannt – in Deutschland und in der EU. In der vergangenen Woche haben sich die EU-Energieminister auf ein neues Energieeffizienz-Ziel geeinigt: 30 Prozent bis 2030. Deutschland hatte sich vergeblich für ein ambitionierteres Ziel eingesetzt. Gehen wir also zu Hause mit gutem Beispiel voran?

Auf dem Verbrauchertag Mitte Juni räumte die Bundeskanzlerin überraschend deutlich ein, dass es bei dem Thema noch Luft nach oben gebe. Tatsächlich könnte in drei zentralen Bereichen mehr getan werden.

Effizienzforschung

Grundlagenforschung im Bereich Energieeffizienz ermöglicht Innovationen im Energiesektor und in Industrieprozessen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung räumt ihr deshalb Priorität ein. Förderprogramme sollen künftig technologieoffener sein, um mehr Freiräume für unerwartete Erkenntnisse zu bieten, die auch zur Anwendung führen können.

Energieeffiziente Industrieprozesse

Als Industriestandort kann Deutschland seine klima- und energiepolitischen Ziele nur gemeinsam mit der Industrie erreichen. Und Unternehmen haben ein Interesse daran, Energie und damit Kosten zu sparen. Die Optimierung bestehender Industrieprozesse entlang der Wertschöpfungskette ist dabei ein wirksamer Hebel. Effizienz-Maßnahmen können eine intelligente Abwärmenutzung oder der Einsatz von besserer Leistungselektronik sein. Die deutsche Industrie wird sich auf mehr Flexibilität, Digitalisierung und Sektorkopplung einstellen müssen – und eine Effizienzkultur anstoßen, die von der Chefetage bis zum einzelnen Mitarbeiter reicht.

Gebäudesanierung

Wie Verkehr oder Landwirtschaft sollte auch der Gebäudesektor ein Baustein in der deutschen Energiepolitik sein. Fast 38 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland entfallen auf den Gebäudesektor. Hier besteht noch immenses Potenzial für Energieeinsparungen. Denn bislang ist lediglich ein Prozent der Bestandsimmobilien energetisch saniert. Bei privaten Immobilien ist die Sanierungsquote in den vergangenen Jahren sogar rückläufig. Was fehlt, ist eine steuerliche Förderung, die Unternehmen, Kommunen und Eigenheimbesitzer motivieren, diese Investitionen zu stemmen. Gefragt sind neben Anreizen Planungssicherheit und klare Regeln. Das geplante Gebäudeenergiegesetz hat die CDU kürzlich scheitern lassen. In der nächsten Legislaturperiode dürfte es einen neuen Anlauf geben. Denn anstatt einzelne Leuchtturmprojekte zu fördern, ist es Zeit, in die Breite zu gehen.

Energieeffizienz ist ein Schlüssel für die Energiewende. Effizienzpotenziale sind ein schlafender Riese. Um ihn zu wecken, braucht es eine Strategie. Eine Politik aus einem Guss würde es allen anderen Akteuren ermöglichen, ihren Beitrag zu leisten. Gute Kommunikation ist dafür das A und O: Bürger, Kommunen und Unternehmen müssen aufgeklärt, über Einsparmöglichkeiten informiert und bei der Umsetzung beraten werden. Die Kampagne „Deutschland macht’s effizient“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie geht in die richtige Richtung.

# Energieeffizienz # Public Affairs # Energiepolitik

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