Digitalisierung im Fokus – leider nur zur CeBIT

10.03.2016 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Jens Bizan 

Am 14. März beginnt in Hannover die CeBIT. Die Digitalisierung schreitet voran, doch noch immer schreiten Gesellschaft, Politik und auch Wirtschaft in Deutschland hinterher. Die Betreiber der Messe halten daher zu Recht an ihrem Motto fest: „d!conomy“ – lediglich die Begriffe „join – create – succeed“ wurden ergänzt. Ein passender Aufruf an die deutsche Gesellschaft.

Denn hierzulande wollen viele Menschen sich noch immer, sei es nun beruflich oder privat, der Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen der Digitalisierung entziehen. Eine interessante Manifestation dieses Verhaltens und der daraus resultierenden Fehleinschätzungen ist die häufige Äußerung in der Flüchtlingsdebatte: „So schlecht kann es denen doch nicht gehen, schließlich haben die alle Smartphones.“ Das Smartphone und seine Kommunikationsmöglichkeiten als Luxusgüter wohlhabender Menschen?

Smartphones und Handytarife sind in anderen Industrie- und auch in Entwicklungsländern im Vergleich zu Deutschland deutlich günstiger, weil sie dort als elementare Bestandteile moderner gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und auch politischer Kommunikation gesehen werden. Das wird in Deutschland selten bedacht. Leider. Denn genau dieses Bewusstsein muss in breiteren Teilen der Gesellschaft und Wirtschaft ankommen, um das Digitalisierungspotenzial zu erkennen und zu nutzen. Nur so kann Deutschland innovativ und zukunftsfähig, aber auch an einer sozialen Marktwirtschaft ausgerichtet bleiben.

Debatten darüber, wie und ob Menschen mobiler arbeiten wollen und sollen, wie sie dabei durch Technik unterstützt werden, wie sinnvolle Rahmenbedingungen für einen effektiven Datenschutz geschaffen werden oder wie IT-Themen in der Schul-, Aus- und Weiterbildung verankert werden können, finden bereits statt. Allerdings fokussieren sich insbesondere mittelständische Unternehmen dabei häufig noch zu sehr auf „ihr“ spezifisches Gebiet: Die eigenen Produkte und Lösungen kommen dann wie geplant zum Einsatz, es fehlt aber die gesellschafts- und wirtschaftspolitische Einordnung.

Nur wenn es gelingt, die Digitalisierungsdebatte breiter zu führen und in konkrete Ergebnisse zu überführen, kann Deutschland von der Digitalisierung profitieren. Geschieht das nicht, findet „Join – create – succeed“ ohne uns statt.

# Digitalisierung # CeBIT # Wirtschaft # Politik # Gesellschaft

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