Eine Hand wäscht die andere? Das Image der Türkei als Seifenstück

26.04.2017 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Samantha Schmidt

Ausgezeichnet als weltweit bester Tourismus-Film wirbt „Home of Turquoise“, der im Auftrag des Ministeriums für Kultur und Tourismus der Republik Türkei in Zusammenarbeit mit Turkish Airlines produziert wurde, mit den gängigen Bildern für die Türkei. Er erzählt die Geschichte einer Kite-Surferin, die das türkisfarbene Meer der türkischen Küsten entdeckt und dabei über die Möglichkeiten „to move forward, to fly and to be free“ sinniert.

Schlägt man aktuelle Tageszeitungen auf, stolpert man beispielsweise in der FAZ über ganzseitige Anzeigen, die das „Erleben der eigenen Erfolgsgeschichte in der Türkei“ schmackhaft machen sollen. Auftraggeber der umfassenden Kampagne sind das türkische Wirtschaftsministerium, die Exportvereinigung TIM und der Kammerverband TOBB der Türkei. Mit „Discover the Potential“ preisen insgesamt 16 ausländische Spitzenmanager großer internationaler Unternehmen die Türkei als Wirtschaftsstandort, der sicher, verlässlich und erfolgsversprechend für Investitionen aus dem Ausland ist.

Ein Land, zwei Filme, ein Ziel: Die Türkei attraktiv machen – für den Tourismus, für die Wirtschaft. Es bleibt aber ein fahler Beigeschmack. Die derzeitige Situation in der Türkei zeigt im Gegensatz zu den Filmen oder Anzeigen eine andere Realität – insbesondere mit dem Blick aus anderen europäischen Ländern. Der Putschversuch im Juli 2016, Massenverhaftungen, Terroranschläge und zuletzt die politischen Spannungen über das Verfassungsreferendum lähmen das Wirtschaftswachstum und lassen Arbeitslosigkeit und Inflation steigen. Die Kampagnenunterstützung von ausländischen Unternehmen ist daher gerne gesehen. Dabei ist aber fraglich, ob hier wirklich eine Hand die andere wäscht. Oder ob an der Unternehmerhand Schmutz kleben bleiben wird. Zumindest mit Blick auf die Reputation des Unternehmens.

Denn während diese werbliche Unterstützung für die weiteren Geschäfte der beteiligten Unternehmen in der Türkei sicherlich förderlich sein wird, könnte sie andernorts Kritik und potenziellen Reputationsschaden hervorrufen. Die Strategie der Unternehmen ist klar, aber möglicherweise etwas zu kurz gedacht. Während die türkischen Investitionen gerettet werden sollen, bleibt außerhalb der Türkei vielleicht das „Reputation-Washing“ der Türkei im Gedächtnis.

Auf die Beteiligung deutscher Firmen an der Kampagne kann die Türkei übrigens nicht zählen, auch wenn der Vize-Regierungschef Simsek zuletzt wieder um deutsche Wirtschaftshilfen geworben hat. Die deutschen Unternehmen sehen momentan keine Notwendigkeit, im Imagekampagnen-Seifenstück mitzuspielen. Zu groß ist die Gefahr, dass die eigene Reputation aus den Händen gleitet.

# Türkei # Europa # Reputation

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