Hybris, Marketing oder goldene Zeiten der Weltgesundheit?

27.09.2016 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Natalie Hallensleben 

Den Krankheiten dieser Welt wird erneut der Kampf angesagt: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg möchte in diesem Jahrhundert alle Krankheiten der Welt heilen. Er und seine Ehefrau Priscilla Chan werden innerhalb der kommenden zehn Jahre drei Milliarden US-Dollar für die Gesundheitsforschung spenden. Wird damit ein alter Menschheitstraum wahr?

Mit dem visionären Ziel, eine Welt ohne Krankheiten zu schaffen, überbietet die Chan-Zuckerberg-Initiative, wenn auch nicht finanziell, eine Reihe hochkarätiger US-amerikanischer Philanthropen. Auch John D. Rockefeller, Bill Gates und Warren Buffett wollten bzw. wollen mit ihren Stiftungen und Großspenden die Weltgesundheit fördern – und einzelne Krankheiten, wie etwa die Malaria, bekämpfen.

Mit seiner Ankündigung, sämtliche Krankheiten dieser Welt zu besiegen, erntet Zuckerberg weltweit eine hohe mediale Aufmerksamkeit. Haben wir es also mit einer erfolgreichen Image-Kampagne für ihn und seine unternehmerischen Aktivitäten zu tun? Oder sind die gesteckten Ziele langfristig erreichbar?

So groß die Summe von drei Milliarden US-Dollar erscheinen mag, sie kann den Ambitionen kaum gerecht werden: Allein die deutschen Pharmaunternehmen geben jährlich mehr Geld für medizinische Forschung und Entwicklung aus, als Zuckerberg und Chan für die kommenden zehn Jahre versprechen. Ihr Engagement ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein sehr großer Tropfen auf einem noch größeren heißen Stein.

Viren und Bakterien, die „großen Feinde der Menschheit", mutieren und passen sich stets neu an. Deswegen muss sich auch die medizinische Forschung beständig weiterentwickeln – und kontinuierlich finanziert werden. Das Geld eines Einzelnen wird nicht ausreichen, ist aber ein sehr wertvoller Baustein. Regierungen und Gesellschaften müssten sich zu langfristigen, generationenübergreifenden Plänen verpflichten, um Zuckerbergs Pläne zu realisieren.

Hinzu kommt: Forschung allein macht nicht gesünder. Das menschliche Verhalten ist ein wichtiger Schlüssel im Kampf gegen Krankheiten wie Krebs und Herzerkrankungen. Rauchen, Luftverschmutzung, der hohe Konsum verarbeiteter Fleischwaren, Alkohol und Übergewicht sind soziokulturelle Herausforderung der industrialisierten Welt. Wenn sich die Chan-Zuckerberg-Initiative gerade den chronischen Erkrankungen des Westens widmen möchte, braucht es neben Gesundheitsforschung vor allem Aufklärung und eine gesellschaftliche Debatte darüber, wie diese Risiken zu senken sind.

Neben dem A der Forschung ist das O der Kommunikation essenziell, um das Bewusstsein bei allen Beteiligten zu schärfen. Mit Facebook hätte Zuckerberg schon einmal eine mächtige Kommunikationsplattform zur Hand.

# Zuckerberg # Weltgesundheit

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