Internetgiganten vs. Fake News: Der Kampf vor den Europawahlen

05.02.2019 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Pia Graß 

Der Kampf gegen die sogenannten Fake News ist eine der wichtigsten Herausforderungen der modernen Kommunikation. Umfragen der EU von Februar 2018 zufolge stufen 83 Prozent der Europäer Fake News als eine Gefahr für die Demokratie ein. Mehr als 70 Prozent der Internetnutzer haben Bedenken wegen Falschinformationen im Netz vor politischen Wahlen. Knapp vier Monate vor den Europawahlen im Mai erhöht die Kommission nun den Druck auf die großen Online-Plattformen wie Facebook, Google und Twitter. Die Devise der EU-Kommission lautet: Online-Dienste unternehmen zu wenig gegen die Beeinflussung politischer Wahlen durch absichtlich verbreitete Fake News. Politische Werbung soll transparenter werden, die Netzwerke sollen stärker mit den EU-Staaten zusammenarbeiten.

Im September haben einige Online-Dienste bereits dem freiwilligen Verhaltenskodex der EU gegen die Verbreitung absichtlicher Falschinformationen zugestimmt. In Brüssel ist man mit den bisherigen Maßnahmen der „Internetgiganten“ aber noch nicht zufrieden. Nachholbedarf sieht die Kommission z.B. bei den Instrumenten von Google zur Erkennung von Fake News, die noch nicht in allen EU-Staaten verfügbar sind.

Im „war room“ gegen Social Bots und Trolle

Facebook will künftig für mehr Transparenz bei politischer Werbung sorgen. In seiner Zentrale in Dublin soll ein eigener „war room“ eingerichtet werden. Der Name ist Programm: In Echtzeit soll die „Kommandozentrale“ Daten über potenzielle Brandherde rund um Fake News und verdächtige Aktivitäten auswerten. Falsche Nutzerkonten sollen zudem geschlossen und „Social Bots“ gekennzeichnet werden. Diese computergesteuerten Accounts verbreiten, als menschliche Nutzer getarnt, Fake News in sozialen Medien. Für große Diskussion zu diesem Thema sorgte zuletzt das Berliner Start-up Botswatch, das im Rahmen des verabschiedeten UN-Migrationspakts Tweets auswertete und feststellte, dass 28 Prozent davon von Social Bots stammten. Solche alternativen Technologien werden uns in Zukunft vermutlich häufiger begegnen und die moderne politische Kommunikation prägen.

Und der User?

Wie schnell sich Fake News in den Medien verbreiten und das politische Meinungsbild beeinflussen, ist kein Geheimnis mehr. Es geht aber nicht nur um die Politik. Die Digitalisierung verändert die Kommunikation zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und ultimativ sind auch Marken, Unternehmen und Organisationen von Fake News betroffen. Dieser Wandel erfordert immer mehr ein genaues Beobachten und Bewerten von Informationen sowie ein gezieltes Handeln. Den Nutzern fällt es schwer bei der großen Menge an digitalen Informationen zwischen falschen und richtigen zu unterscheiden. Eine Studie der Universitäten Princeton und New York zeigt: Vor den US-Wahlen 2016 teilten Social-Media-Nutzer ab 65 Jahren fast sieben Mal häufiger digitale Fake News als jüngere Nutzer. Der Grund: eine mangelnde digitale Medienkompetenz. Gänzlich wird man Fake News wohl nie verhindern können. Umso wichtiger ist daher, für Kommunikatoren in allen Bereichen, eine möglichst transparente, wahre und zielgruppenorientiere Kommunikation. „Digital Public Affairs“ und der Umgang mit neuen digitalen Tools bieten die Möglichkeit, die jeweiligen Zielgruppen besser zu verstehen, zu erreichen und zu überzeugen.

Ob der Kampf gegen Fake News zum Sieg führt, bleibt offen. Die EU-Kommission wird bis zur Europawahl nun monatlich über die Arbeit der Online-Dienste berichten – mit einem abschließenden Bericht, der Ende 2019 erscheint. Je nach Ergebnis und Zufriedenheit könnte es dann zu gesetzlichen Schritten kommen. Wir schauen mit Spannung auf die Europawahlen.

# Fake News # Europawahl # Public Affairs

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