Kampf gegen Klimawandel: Finde ich gut, aber lass das mal die anderen machen

28.02.2019 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Alexander Weinberger 

„Der weltweite Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas muss so laufen wie die Abschaffung der Sklaverei. Es war irgendwann globaler Common Sense: Das machen wir zivilisierten Menschen nicht“, äußerte sich Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, vor Kurzem im Tagesspiegel. Diese Aussage passt zu einer aktuellen Studie des Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Menschen weltweit am meisten Angst vor dem Klimawandel haben – mehr als vor Terrorismus oder drohenden atomaren Konflikten.

Die Proteste gegen die Rodung des Hambacher Forsts im vergangenen Jahr, das erfolgreiche Volksbegehren in Bayern, das zwar nicht direkt gegen den Klimawandel, aber doch gegen das Artensterben auch als Folge der Veränderung der klimatischen Bedingungen gerichtet ist, oder die freitäglichen Schülerproteste für eine nachhaltigere Klimapolitik machen deutlich: Auch in Deutschland ist diese Stimmung vorherrschend.

Betrachtet man diese Entwicklung, verwundert es umso mehr, dass die Deutschen immer mehr fliegen. Vor allem die Zahl innereuropäischer und innerdeutscher Flüge, bei denen es zahlreiche klimafreundlichere Alternativen gibt, steigt. Auch die Aussage des Verkehrsministers, Tempolimits auf Autobahnen, die einen geringeren Kraftstoffverbrauch und eine sauberere Luft zur Folge hätten, nicht einmal in Betracht ziehen zu wollen, spricht gegen den derzeitigen Geist eines klimafreundlicheren Lebenswandels.

Es scheint, als hätten Politik und Bürger die Problematik und Dringlichkeit der Klimaentwicklung mit Blick auf den „Faktor Mensch“ erkannt. Aber wenn es um konkrete Maßnahmen auf individueller Ebene – Stichwort Flüge – oder auf politischer Ebene – Stichwort Tempolimit – geht, scheint die Gefahr plötzlich vergessen zu sein. Was fehlt, sind ein individuelles und ein kollektives Verantwortungsbewusstsein sowie die Einsicht, dass ein erfolgreicher Kampf gegen den Klimawandel auch mit individuellen Einbußen verbunden ist.

Doch wie lässt sich dieser Gegensatz von erkanntem Problem und fehlender Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, lösen? Das Zauberwort lautet: Kommunikation. Politische Teilhabe ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft – die Bürger wollen verstehen, warum politische Entscheidungen getroffen werden und sich für die eigenen Vorstellungen einsetzen. Aufgabe der Politik ist es nun, effektive Lösungsvorschläge zu erarbeiten und so zu kommunizieren, dass Sinn und Konsequenzen der notwendigen Maßnahmen in der breiten Öffentlichkeit verstanden werden, sodass diese in den eigenen Lebenswelten der Bürger umgesetzt werden können.

Diese Art von Kommunikation, wenn sie problem- und zielgruppenorientiert, klar verständlich und emotional ansprechend ist, kann die Basis dafür bilden, Verantwortungsbewusstsein für den erfolgreichen Klimaschutz auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene zu schaffen.

Sollte Deutschland diese Aufgabe erfolgreich lösen können, wäre das auch ein wichtiges Signal in Richtung des globalen Common Sense: Das machen wir zivilisierten Menschen nicht. Und auf diesen Common Sense sollte sich besser früher als später geeinigt werden.

# Klimawandel

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