Kein Duell ohne Duellanten. Chance verpasst.

04.09.2017 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Dana Garbe

Es sollte die große Wende im Rennen um die Kanzlerschaft sein – für Martin Schulz. Das Fazit des einzigen TV-Duells der beiden Kanzlerkandidaten: 55 Prozent der Zuschauer fanden Angela Merkel insgesamt überzeugender, 35 Prozent Martin Schulz. Ein sehr deutliches Ergebnis, wenn man den Umfragen der ARD glauben mag. Was hätte denn auch passieren sollen? Schließlich waren die Vorteile der Amtsinhaberin groß: Kanzlerbonus, krisenerprobt, Deutschland ging es schon deutlich schlechter. Dass es eine schier unlösbare Aufgabe werden würde, Merkel die Führung streitig zu machen, wusste wohl auch die SPD im Vorfeld. Ob dieses wenig kurzweilige Format letztendlich die beiden Parteien in der Wählergunst steigen lässt, ist allerdings fraglich.

Im direkten Vergleich hat Martin Schulz besser abgeschnitten als erwartet. Nicht aggressiv, selbstherrlich oder überzogen, wie er in früheren Interviews mitunter wirkte. Stattdessen zeigte er sich angriffslustig, bürgernah und „mit klarer Kante“ – an der einen oder anderen Stelle. So schaffte er es, Merkel auch dann und wann eine deutliche Aussage abzuringen. Der unbedingte Wille zum Sieg schien dennoch zu fehlen: Mit einer 180-Grad-Wende der SPD in der Türkeipolitik kann man weltpolitische Kompetenz noch nicht glaubhaft vermitteln.

Aber wie soll man ihm die Führung im global zunehmend eskalierenden Umfeld zutrauen – ohne vergleichbare Erfahrung der Amtsinhaberin? In der Flüchtlingskrise, im Umgang mit populistischen Machthabern, in der Bewältigung der weltweiten Krisenherde ist diplomatisches Fingerspitzengefühl gefragt. Hier punktete Merkel mit Sachkompetenz, der Erfahrung ihrer Amtsjahre und als Krisenmanagerin. Nüchtern, bodenständig, unaufgeregt – wie man sie kennt.

Ihre Argumente haben beide gleichermaßen gut dargelegt. Inhaltlich waren sie sich in vielen Bereichen aber recht einig, sodass sich der Eindruck festigte, man hätte sich bereits auf eine Fortsetzung der Großen Koalition eingerichtet.

Aber konnten die Kandidaten mit dieser einvernehmlichen Strategie auch die annähernd 50 Prozent der noch unentschiedenen Wähler erreichen? Das scheint nur schwer vorstellbar. Dafür sorgte bereits das Format: Zwei von fünf Spitzenkandidaten über 90 Minuten, das ist ohne Publikum weder lebendig, bürgernah noch sonderlich dynamisch. Man hätte durchaus alle Parteien in dieses Duell einbeziehen können, das hätte deutlich mehr unterschiedliche Positionen zutage gefördert.

Wenn es darum geht, Bürger zu überzeugen, sollte man sich nicht vor den Bürgern scheuen. Auch Direktfragen der Wähler hätten das Format entstaubt. So hingegen wirkte es wenig zeitgemäß, und wichtige Themen, wie Bildung, Digitalisierung, Energiewende und die notwendige Transformation der Wirtschaft, blieben komplett auf der Strecke. Eine vertane Chance, die die kleinen Parteien in ihrem zweiten TV-Duell für sich nutzen dürften.

# TVDuell # Politik # BTW2017

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