Kommunikations-GAU TTIP

17.05.2016 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Natalie Hallensleben

Kaum hatte US-Präsident Obama seine „TTIP-Werbetour“ in Großbritannien und in Deutschland beendet, da sorgte die Veröffentlichung geheimer Verhandlungsdokumente für neuen Ärger. Mittlerweile zweifeln auch zunehmend politische Akteure daran, dass die TTIP-Verhandlungen Ende dieses Jahres abgeschlossen werden – immer mehr Bürger in Deutschland sprechen sich gegen das Abkommen aus.

Ist die öffentliche Meinung also nach dem TTIP-Leak gekippt? Bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass das Vorhaben TTIP von vornherein unzureichend kommuniziert wurde bzw. die „Produkt-Kommunikation“ nicht erkennbar geplant war.

Jede erfolgversprechende Produkt- oder Konzept-Einführung setzt voraus, die unterschiedlichen Stakeholder, wie etwa Unternehmen, Verbraucher etc., zu identifizieren und ihre jeweilige Haltung zu kennen. Im Falle der TTIP-Debatte hätte es niemanden überraschen dürfen, dass die europäische Zivilgesellschaft vehement an ihren Standards im Verbraucher- und Umweltschutz festhält. Da sich der Kontinent gerade auch über emotionsgeladene Themen wie Nahrung, Kultur und Gesundheit definiert, müssen die Sorgen und Ängste der Menschen ernst genommen werden. Mehr noch: Die Verhandlungspartner hätten gut daran getan, diese Befindlichkeiten zu antizipieren und offen anzusprechen. Das aktuelle Meinungstief in Sachen TTIP zeigt, wie kontraproduktiv es ist, sensible und potenziell strittige Punkte unter den Tisch zu kehren oder herunterzuspielen. Dass Teile der deutschen Bundesregierung in ihren öffentlichen Aussagen keine eindeutige Haltung zu TTIP beziehen, trägt zusätzlich zur Verunsicherung der Bürger bei.

Dabei gibt es viele gute Argumente, weshalb ein transatlantisches Freihandelsabkommen auch im Interesse der Europäer ist: Zum Beispiel mehr und andere Arbeitsplätze sowie Wirtschaftswachstum durch weniger Zölle, schnellere Verfahren und weniger Bürokratie, also die Harmonisierung von Standards auf einem hohen Niveau. Diese Vorteile hätten von Anfang an klar und deutlich herausgearbeitet werden müssen, anhand konkreter alltagsnaher Beispiele. Eine geplante Kommunikation hätte aufgezeigt, dass internationale Verhandlungen zwischen den Verhandlungsführern durchaus und mit guten Gründen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden können, ohne dass sich die Bevölkerung verschaukelt vorkommt.

Aus dem Kommunikations-GAU im Fall TTIP lernen wir: Je komplexer die Konzepte, desto notwendiger die begleitende Kommunikation. Ohne gute Antworten auf naheliegende Fragen kein Vertrauen.

# Politik # TTIPVerhandlungen # Kommunikation # TTIPLeaks

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