M&A im Pharmasektor – Im Übernahmepoker geschickt kommunizieren

12.05.2014 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Cornelius Brand 

Nachdem einige Jahre Ruhe im Pharmamarkt herrschte, ist nun wieder eine Zeit der Zukäufe und Übernahmen angebrochen. Den Anfang machten vor einigen Wochen Novartis und GlaxoSmithKline mit einem Spartentausch. Bayer liebäugelt mit Mercks rezeptfreien Arzneimitteln, und mit Pfizers Angebot für AstraZeneca steht einer der größten Deals der Pharmabranche bevor. Diese sollten medial und politisch geschickt kommuniziert werden. Denn Mergers & Acquisitions gehören zwar in nahezu allen Branchen zum normalen Geschäft, aber insbesondere der Pharmaindustrie werden schnell Profitgier und Gewissenlosigkeit nachgesagt. Kritiker scheinen nahezu reflexartig anzunehmen, dass größere Unternehmen auch größere Skandale und geringerer Nutzen für die Patienten bedeuten.

Wie wichtig es ist, dass derartige Unternehmensübernahmen auch politisch gut kommuniziert werden, zeigt das Beispiel von Pfizer und AstraZeneca. Nachdem das Angebot von Pfizer an den britisch-schwedischen Konzern bekannt wurde, forderten britische Politiker, dass die langfristigen Aussichten für Großbritannien als Forschungs- und Industriestandort berücksichtigt und Arbeitsplatzgarantien ausgesprochen werden müssten. Die Einmischung von Politikern in Übernahmeprozesse verläuft also nicht immer im Sinne des Unternehmens. Ob die politischen Forderungen volkswirtschaftlich, geschweige denn betriebswirtschaftlich, sinnvoll sind, lässt sich häufig anzweifeln. So weit, so banal. Anders stellt sich die Situation aber dar, wenn Unternehmen im Dialog mit der Politik und der Öffentlichkeit selbst ihre volkswirtschaftliche Relevanz betonen. So haben im vergangenen Jahr mehrere große deutsche Pharmaunternehmen ihren „economic footprint“ in Deutschland aufwändig errechnen lassen und sind damit offensiv an die Politik herangetreten. Wenn ein Unternehmen seine volkswirtschaftliche Relevanz für seine politische Kommunikation nutzt, muss es allerdings damit rechnen, dass sich Politiker an ebendiese „industriepolitische“ Bedeutung erinnern, wenn daraus politisch Kapital zu schlagen ist. Eine gelungene Kampagne kann dann womöglich zum Bumerang werden und sich ins Negative umkehren. Dies ist kein grundsätzliches Argument gegen die Betonung der eigenen volkswirtschaftlichen Bedeutung. Aber es zeigt, dass eine langfristige strategische Planung in der politischen Kommunikation unerlässlich ist.

# Politik # Kommunikation # Pharma

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