Pressefreiheit: Kleiner Widerstand mit großer Kraft

02.08.2018 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Thomas Stein

Der Streit zwischen Arthur Gregg Sulzberger, Herausgeber der New York Times, und Donald Trump spitzt sich zu. Der US-Präsident wird nicht müde zu behaupten, dass Journalisten nur „Fake News“ verbreiten und darum „Feinde des Volks“ sind. Sulzberger bietet ihm die Stirn und macht klar, wie gefährlich die „hetzerische Sprache“ von Trump ist. Die Washington Post wiederum machte jüngst darauf aufmerksam, dass der US-Präsident an einem Tag 77 (!) Falschaussagen verbreitete, rund sechs im Tagesdurchschnitt.

Die Freiheit der Presse ist weltweit in Gefahr. Für Regierungen, die Unwahrheiten verbreiten, um Menschen zu manipulieren und die eigene Macht zu sichern, scheinen kritische Medien eben existenziell gefährlich. Sie fürchten die andere Meinung und gute Argumente der Gegner, und sie fürchten die Fakten, die ihr eigenes Zerrbild der Realität widerlegen.

Auch für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sind kritische Journalisten nur „Terrorunterstützer“, die inhaftiert und verurteilt werden. In vielen anderen autokratischen und diktatorischen Systemen ist diese Art der Argumentation schon lange Usus. Aber auch in der Türkei gab es Richter, die trotz des neuen „Zeitgeists“ im Land Journalisten freigelassen haben, da sie kein Unrecht begangen hatten. Leider sind einige dieser Richter daraufhin entlassen worden. Aber: Diese Richter haben ein besonderes Zeichen gesetzt, für Rechtsstaatlichkeit und dafür, dass Journalismus kein Verbrechen ist.

Aus den USA kam ebenfalls ein bemerkenswertes Signal für die Pressefreiheit. Der eigentlich regierungstreue Sender Fox News sprang der Kollegin von CNN bei, als diese von einer Pressekonferenz im Weißen Haus ausgeschlossen werden sollte. Die CNN-Reporterin Kaitlan Collins hatte zuvor unbequeme Fragen an den US-Präsidenten gestellt. Fox News brachte seine „starke Solidarität" zum Ausdruck, und Fox-Journalist Bret Baier twitterte, Fox News stehe „in diesem Punkt fest hinter CNN".

Der Widerstand gegen populistische und autokratische Regierungen mag an einigen Stellen klein scheinen, aber die Kraft, die dahintersteht, ist groß. Sie motiviert andere zum Widerstand und gibt Hoffnung, dass die Pressefreiheit, allen Feinden zum Trotz, überlebt. Gerade das Beispiel von Fox News zeigt zudem, dass man zwar unterschiedlicher Meinung sein, aber dabei trotzdem gemeinsame Werte verteidigen kann.

# Pressefreiheit # Fake News

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