Über eine Brücke musst du gehen

06.09.2017 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Bianca Sauter

Direkt im Anschluss an das TV-Duell der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz wurde die Kritik laut, dass wichtige Themen in dem Gespräch nicht angesprochen wurden. Dazu zählten zum Beispiel Bildung, Digitalisierung, Klima und Energie oder soziale Gerechtigkeit. Auf Twitter schreiben Bürger unter dem Hashtag #fragendiefehlen, welche Aussagen sie im Kandidaten-Duell vermisst haben und was sie noch wissen möchten. Eine gute Gelegenheit für die Parteien, hier nochmals digitale Kommunikationsstärke zu zeigen und im Dialog mit den sozialen Netzwerken ihre Positionen zu verdeutlichen.

Zwar wurden die fehlenden Themen einen Tag nach dem „großen Duell“ im TV-Fünfkampf der kleineren Parteien behandelt – doch auch dieses Mal hagelte es Kritik. Die Themen Bildung, Digitalisierung & Co. seien zwar angesprochen worden, aber die einzelnen Sprecher hätten zu wenig Zeit und Gelegenheiten erhalten, sich dazu zu äußern.

Wen trifft daran die Schuld? Die Journalisten, weil sie angeblich wichtige Themen nicht angesprochen und die falschen Fragen gestellt haben? Oder vielleicht doch eher die Redner selbst?

Es ist schließlich kein Geheimnis, dass Politiker als Medienprofis par excellence eher selten konkret auf Fragen der Medien antworten. Das ist das Ergebnis zahlreicher Medientrainings und detaillierter Vorbereitungen seitens der Kommunikations- und Strategieberater.

Viele Politiker weichen bei kritischen Fragen aus und lenken ihre Antworten gezielt auf andere, für sie relevantere, Botschaften um. In der Fachsprache heißt das „Bridging“. Deutliche Hinweise auf dieses rhetorische Mittel sind Sätze wie „Da sprechen Sie einen wichtigen Punkt an …“ oder „… lassen Sie mich aber zunächst auf etwas hinweisen …“.

Dosiert eingesetzt, hätten die Kanzlerkandidaten Merkel und Schulz unabhängig von den gestellten Fragen mithilfe von „Bridging-Strategien“ also geschickt zu ihren gewollten Wunschthemen überleiten können. Die jeweiligen Kernaussagen der Wahlprogramme hätten durch diese Gesprächsführung gezielter platziert werden können – und wer weiß: Vielleicht hätten die bislang unentschlossenen Wähler dann gewusst, wo sie am 24. September ihre Kreuze machen werden.

# TVDuell # Politik # BTW2017 # fragendiefehlen

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