Verbändekommunikation neu gedacht: Von innen nach außen statt „My way or highway“

07.12.2018 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Bernd Buschhausen 

Politische Kommunikation muss sich heute ändern, um morgen noch Gehör zu finden. Interessenvertreter müssen viel stärker im Dialog und in der Sprache der Verbraucher um Mehrheiten werben, damit die Politik dem gemeinsamen Anliegen folgen kann.

Verbände, Unternehmen, NGOs, Interessenvertreter und Lobbyisten im politischen Berlin eint die Erkenntnis, „My way or highway“ in der Politik funktioniert nicht mehr. Der Jahrmarkt der Meinungen ist komplex und laut geworden. Die fein ausgearbeiteten Botschaften finden kein Gehör und somit kaum Einfluss. Und dabei war das eigene Anliegen doch so wichtig, die Daten und Fakten so stark und der Termin beim Politiker so gut.

Damit Verbände mit ihrer politischen Kommunikation heute erfolgreich sein können, müssen sie eine andere Haltung einnehmen. Nicht das Durchboxen der eigenen Meinung im Einzeldiskurs mit der Politik ist wichtig, sondern dass eigene Anliegen dem Mandatsträger aus einer Mehrheitenposition heraus widergespiegelt werden. Das setzt Empathie voraus: die Fähigkeit, sich auf sein Gegenüber einzustellen, miteinander zu kommunizieren und das gemeinsam Machbare konstruktiv zu erarbeiten. Und auch die Sprache der Interessenvertreter muss sich ändern, wenn sie ihrer Rolle gerecht werden wollen. Denn Botschaften finden dann Gehör, wenn sie in der passenden Sprache, im relevanten Kontext und in der echten Lebenswelt der Mehrheiten präsentiert werden. Was in ausgiebigen Sitzungen, in Referaten und Gremien an Kommunikation und Botschaften durch Experten und Juristen ausgefeilt und abgestimmt wird, hat am Ende nichts mehr mit dem Alltag der Mehrheiten zu tun. Dass Positionen dann weder gehört, verstanden oder gar zitiert werden, ist wenig überraschend. Im weiten Meer der Internetmeinungen werden sie noch nicht einmal gefunden.

Gute Verbands- bzw. politische Kommunikation nimmt deshalb einen neuen Blickwinkel ein: Statt der Innenperspektive berücksichtigt sie die Außenperspektive der Verbraucher. Sie bindet breite Stakeholder-Gruppen im Dialog und kommuniziert digital in verständlicher Sprache – um so eine gemeinsame Position der Politik zu präsentieren, die sie mit gutem Gewissen im Sinne der Mehrheiten mittragen kann.

# Verbände # politische Kommunikation # Verbraucher

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