Von Bauernromantik zur datenbasierten Realität

13.06.2017 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Bernd Buschhausen

Zahlreiche Bauernfamilien kämpfen in Deutschland um ihre Existenz. Der heimische Markt leidet unter einer zu hohen Produktion – und die familienbetriebenen Höfe unter den Preiseinbrüchen ihrer Erzeugnisse. Dabei kämpft die konventionelle Landwirtschaft nicht nur ums Überleben, sondern auch um ihr Image. Glückliche Kühe auf blühenden Weiden? Dieses Bild der Agrarwirtschaft gilt nicht länger ausschließlich. Geheime Aufnahmen zeigen vermehrt anscheinend katastrophale Umstände auf deutschen Höfen: zu viele Tiere auf zu engem Raum, Verschmutzungen, eingepferchte und dahinsiechende Schweine und Hühner. Bilder, die sich auch im Netz viral verbreiten. Sicherlich gibt es Missstände. Aber die Realität liegt wie so oft irgendwo dazwischen. Es gilt daher eine Brücke zu schlagen zwischen diesen beiden Bildern: Wie also die Vorstellungen der Öffentlichkeit korrigieren?

Nicht alle können Bio. Vor allem die konventionelle Landwirtschaft kämpft damit, die Zielforderungen verschiedener Akteure, insbesondere der Endverbraucher und Tierschutzorganisationen, in Einklang zu bringen. Bei der Ansprache gilt es daher, Konsumenten und Bürger zu unterscheiden und eine individuelle Ansprache für den ökonomisch-orientierten Verbraucher und den zeitgenössischen Kritiker zu finden. Nur so lässt sich die ökonomische Situation der Bauern zielgerichtet vermitteln.

Um ihr Image aufzupolieren und ihre Reputation zu steigern, sollte die Agrarwirtschaft die Vorteile ihrer häufig bereits digitalisierten Produktion nutzen: Eine datenbasierte Untermauerung ihrer aktuellen wirtschaftlichen Situation kann die Landwirtschaft in der breiten Bevölkerung wieder besser dastehen lassen. Um künftig in Debatten mit Fakten zu punkten, ist die Erhebung und Auswertung messbarer und objektivierbarer Daten unumgänglich. Insbesondere die kritischen Bürger sollen wieder näher an die Landwirtschaft heranführt und Verantwortlichkeiten klargestellt werden.

Die Politik zeigt sich in dieser Hinsicht zuversichtlich. Die Gesellschaft befindet sich momentan in einer Phase des Umbruchs: Zwar äußern sich immer noch kritische Stimmen zum Vorgehen in der Landwirtschaft, gleichzeitig wird aber auch zunehmend die Komplexität der Branche erkannt. Stichwort Transparenz: Angebote, wie Besuche auf deutschen Höfen, müssen für Multiplikatoren geschaffen werden, damit diese über die momentane Sachlage objektiv berichten und aufklären können.

Ob diese Maßnahmen ausreichend sind, der Öffentlichkeit wieder ein realistisches Bild der Landwirtschaft zu vermitteln, bleibt abzuwarten. Eines ist klar: Aufklärungsmaßnahmen sind heute wichtiger denn je. Und um es jenseits von Romantisierung oder Skandalisierung zu einem vertrauens- und glaubwürdigen Image zu schaffen, bedarf es der richtigen Kommunikation – gerade auch in der Agrarwirtschaft.

 

# Agrar # Agrarwirtschaft # Digitalisierung

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