Von der Politik in die Wirtschaft – Wie sage ich es der Öffentlichkeit?

02.10.2014 Gesellschaftspolitische Kommunikation von Kathrin Stackmann 

Das Ministeramt eingebüßt, aus dem Parlament ausgeschieden – und nun? Für viele Politiker wird die Antwort auf diese Frage zum Drahtseilakt. Wer wie Klaus Töpfer zu den Vereinten Nationen wechselt, wird medial bestenfalls gnädig ignoriert. Wer jedoch eine berufliche Herausforderung in der Wirtschaft sucht, muss mit herber Kritik rechnen. Darunter leidet nicht nur das Renommee des (Ex-) Politikers und seiner Partei, sondern auch das des künftigen Arbeitgebers.

Prominente Beispiele der jüngeren Vergangenheit sind unter anderem Gerhard Schröder (Gazprom), Ronald Pofalla (Bahn) und Dirk Niebel (Rheinmetall). Während deren Gang in die Wirtschaft von einem Sturm der öffentlichen Entrüstung begleitet wurde, vollzog sich der Wechsel von Ex-Gesundheitsminister Daniel Bahr zur Allianz verhältnismäßig ohne großes Aufsehen. Was hat Bahr anders gemacht?

Zeitgleich mit der Bekanntgabe von Bahrs neuer Tätigkeit erschien in der Süddeutschen Zeitung ein Interview mit dem ehemaligen Minister. Darin konnte er der zu erwartenden Kritik bereits im Vorfeld den Wind aus den Segeln nehmen. Bahr verstand es, sich als Gesundheitsexperte zu positionieren, dessen zukünftige Rolle bei der privaten Krankenversicherung operativer Natur sei – im Unterschied zu einer reinen Lobbytätigkeit. Das Beispiel macht deutlich, dass der Wechsel eines Politikers in die Wirtschaft, wenn gut kommuniziert, nicht per se eine Welle der Empörung auslösen muss.

Die Bundesregierung will nun eine bereits im Koalitionsvertrag anvisierte Regelung auf den Weg bringen. Im Gespräch ist eine Karenzzeit von einem Jahr. Bahr „verfehlt“ diese Marke um 46 Tage.

# Politik # Wirtschaft # Kommunikation

Zurück