Das war der Fondskongress 2019 – zwischen Hoffen, Bangen und Jubeln

01.02.2019 Kapitalmarkt & Investor Relations von Carsten Böhme 

Wer im deutschen Fondsmarkt eine Rolle spielen will, war am 30. und 31. Januar in Mannheim auf dem Fondskongress. Wie jedes Jahr um diese Zeit. Und auch in dieser verschneiten Januarwoche waren es wieder einmal sehr, sehr viele Anbieter, die auf sich aufmerksam machen wollten. Von den insgesamt 220 Ausstellern präsentierten sich mehr als 130 Fondsgesellschaften mit eigenem Stand. Der blanke Wahnsinn, wenn man bedenkt, wie viele Produktanbieter eine Bank bzw. Finanzvertrieb durchschnittlich seinen Kunden vorstellt. Diese Wettbewerbsintensität ist nicht neu, scheint sich aber über die Jahre kontinuierlich zu verstärken. Jeder Anbieterwegfall durch Fusion oder Ausscheiden wird sofort durch neue Anbieter aus dem In- und Ausland kompensiert – mindestens. Der deutsche Fondsmarkt bleibt „en vogue“.

Die Stimmung der Anbieter war in Mannheim vor diesem Hintergrund, aber auch in Bezug auf die schwierige Finanzmarktlage, insgesamt überraschend positiv. Das schlechte Aktienjahr 2018 scheint vergessen. Dazu mag auch die positive Marktkorrektur im Januar beigetragen haben, zumal die überwiegende Anzahl an Marktausblicken für 2019 zumindest bis zum Sommer verhalten optimistisch ausgefallen ist. Brexit hin, Handelskriege her – es besteht die begründete Hoffnung, dass sich vertriebliche Anstrengungen in positive Mittelzuflüsse niederschlagen sollten.

Die Unsicherheit, und damit das Bangen, liegen zumeist in der eigenen Produktqualität begründet. Das gute Sentiment werden nur die Häuser vertrieblich nutzen können, deren Fondsperformance überzeugt. Und da sah es gemäß einer aktuellen Analyse der Rating-Agentur Scope für 2018 nicht so überzeugend aus: Nur knapp ein Viertel aller Aktienfonds und 16 Prozent aller Rentenfonds konnten ihre Benchmark im vergangenen Jahr schlagen. Enttäuschend für die Mehrzahl der Aussteller und ein Grund zum Jubeln für alle Anbieter passiver Indexfonds.

Wird deshalb 2019 das Vertriebsjahr der kostengünstigen ETFs? Dies wäre aus meiner Sicht eine etwas voreilige Schlussfolgerung. Denn Geldanlage bleibt ein Vertrauensthema, und die Vertrauensbildung ist ein komplexer Prozess. Natürlich spielt dabei das Produkt an sich eine wichtige Rolle. Gute kurzfristige Performance und niedrige Kosten sind starke Argumente. Aber es sind nicht die einzigen Faktoren, die in den Entscheidungsprozess bewusst und unbewusst einfließen. Denn sonst würde jeder Top-Fonds ja automatisch die Milliardengröße erreichen, was nicht der Fall ist. Die Produktqualität fließt vielmehr mit in die Reputation des Anbieters ein. Diese wird aber auch von den handelnden Personen, in erster Linie den Fondsmanagern, aber auch CEOs und Chefvolkswirten, gebildet. Deren Vision von und Erfahrung an den Märkten, die Verantwortung gegenüber gesellschaftlichen Themen, wie beispielsweise ESG-Kriterien, haben einen wichtigen Einfluss auf das Vertrauen in ein Produkt und damit auf die Anlageentscheidung.

Die Reputation der Fondsanbieter kann nicht in kürzester Zeit aufgebaut werden. Es verlangt vielmehr einen strategischen Ansatz und Zeit. Umgekehrt bedeutet es aber auch, dass eine einmalige Underperformance bei den Fonds nicht automatisch zum totalen Reputations- und damit Vertrauensverlust führt. Es ist vielmehr eine Frage, wie man damit kommunikativ umgeht. Und somit bleibt die Hoffnung der aktiven Fondshäuser für 2019 aus meiner Sicht zu Recht erhalten – sofern sie denn über Bekanntheit und eine positive Reputation verfügen.

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# Fondskongress # Asset management # Finanzkommunikation

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