Fintechs jagen Banken – Aber was will eigentlich der Kunde?

06.12.2018 Kapitalmarkt & Investor Relations von Carsten Böhme 

Die ruhigen Tage sind in der Bankenindustrie schon lange vorbei. Der Margendruck ist allerorts zu spüren. Die Kurse der deutschen börsennotierten Gesellschaften sind im Keller. Verantwortlich werden hierfür gerne äußere Umstände gemacht.

Schuld sind dann etwa die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, der steigende Regulierungsdruck aus Brüssel, der Aufwind provisionsschwacher Indexfonds und schließlich der steigende Wettbewerb durch innovative Fintechs. Um es vorweg zu sagen: All diese Punkte sind richtig. Und doch wird die Rechnung scheinbar allzu oft ohne den Wirt gemacht – ohne den Kunden.

Es ist eine Binsenweisheit, dass die Kunden eines jeden Unternehmens über dessen Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Dabei kann das Verpassen technologischer Innovation zum Genickbruch führen, wie Nokia und Blackberry im Wettbewerb mit Apple und Samsung erfahren mussten. Die Kunden hatten eine eindeutige Präferenz. Aber wie verhält es sich bei Finanzdienstleistungen? Ist auch hier denkbar, dass klassische Großbanken in naher Zukunft verschwinden und sogenannte Fintech-Challenger das Feld übernehmen?

In dem Zusammenhang sind die Ergebnisse der Millennial-Studie unserer Londoner Kollegen äußerst interessant. Schließlich ist der britische Finanzdienstleistungsmarkt dem deutschen um einige Jahre voraus. Wir sind der Frage nachgegangen, worauf die Millennials, auch Generation Y genannt, denn eigentlich Wert legen, wenn sie sich für einen Finanzdienstleister entscheiden. Gibt es einen spürbaren Bruch gegenüber älteren Generationen, der letztendlich Fintechs begünstigt?

Die Antwort ist so einfach wie unspektakulär: Diesen Bruch scheint es nicht zu geben. Sparziele, Anbietervorlieben und -anforderungen unterscheiden sich kaum. Und das betrifft insbesondere folgenden Aspekte:

  • Die Technologieaffinität bedeutet nicht, dass Millennials auf den persönlichen Kontakt zu einem Berater und damit auf eine Zweigstelle verzichten wollen.
  • Die Mehrheit der Millennials bevorzugt sogar die etablierten Banken für ihre Finanzierungen und Anlagen – und nicht die Challenger-Marken.
  • Der recht seltene Wechsel zu einer Challenger-Marke erfolgt in der Regel nur dann, wenn deren Produktangebot bzw. Kundenkommunikation als klar besser angesehen wird.

Was sagt das über die Zukunft von Banken, Sparkassen, Roboadvisors, Lending-Plattformen usw. in Deutschland aus? Vielleicht, dass sich die Banken nicht blind von Aktionären und Fintech-Experten treiben lassen, sondern sich besser mit ihren Kunden und deren Wünschen beschäftigen sollten. Es ist längst höchste Zeit für die deutsche Bankindustrie, die Kommunikation mit ihren Kunden ernsthaft neu zu denken. Ein jugendliches Hashtag reicht nicht aus. Es beginnt beim Zuhören.

Nach oben

# Fintechs # Niedrigzinspolitik # Regulierung

Zurück