Fonds-Muffel brauchen Leistung – und klare Worte

15.05.2019 Kapitalmarkt & Investor Relations von Johannes Zenner 

Sparen in Zeiten von Niedrigzinsen, längst kein Selbstläufer. Ganz gut geht das auf Dauer eigentlich nur über die Kapitalmärkte und hier in erster Linie mit Aktien. Auch wenn wir uns da bekanntlich eher schwertun, etwa im Vergleich zu USA und Großbritannien. Immerhin: Rund zehn Millionen Aktionäre gibt es hierzulande. Fünf Millionen davon setzen auf Aktienfonds. Das ist deutlich einfacher und bequemer als selbst weltweit die Märkte nach vielversprechenden Unternehmen zu durchkämmen – und immer das Depot im Blick behalten zu müssen. Schont Nerven und Lebenszeit.

Fonds und deren Manager nehmen uns die leidige Arbeit ab. Sie senken zugleich das berühmt-berüchtigte Klumpenrisiko, also durch Pleiten bei nur einer oder wenigen Firmen im Depot viel Geld zu verlieren; die spürbaren Verluste eigentlich beliebter deutscher Aktien und Standardwerte wie Deutsche Bank, RWE und jüngst Bayer lassen grüßen. Fondsanleger müssen – im Verhältnis zu Einzelaktien – auch deutlich weniger Kompromisse bei der Rendite eingehen. Studien zeigen, dass sie gute Chancen haben, auf lange Sicht zwischen fünf und zehn Prozent Rendite pro Jahr zu erzielen.

Klingt alles logisch. Aber warum sind es dann doch nur fünf Millionen Menschen, die den auch mal steinigen, aber langfristig lohnenswerten Weg mit Fonds gehen? Drei Gründe:

  • Der erste liegt in der Sache. Kapitalmärkte sind immer ein Spagat zwischen Chance und Risiko. Vermögen unter dynamischen Bedingungen aufbauen ist per se gar kein Kinderspiel. Man muss die Augen offen haben, sich fortlaufend informieren und Aktien prüfen – weltweit. Folglich haben rund 70 Prozent der deutschen Aktionäre ihr Geld auch nur im eigenen Land angelegt. Riskant. Der Rückblick zeigt, dass von allen deutschen Aktien, die vor 15 Jahren an der Börse gehandelt wurden, ein Drittel keinen Ertrag gebracht hat. Von den vielfach verbrannten Fingern mit der einstigen „Volksaktie“ Telekom gar nicht erst zu sprechen. Erfahrungen wie diese hallen bis heute in den Köpfen der Menschen nach.
  • Der zweite Grund liegt im Image von Aktien und Fonds, und damit von Geld allgemein. Man hat’s oder eben nicht, spricht aber vor allem nicht darüber. Kennt jeder aus dem Freundeskreis: Beim gemeinsamen Abendessen geht’s um Kinder, Urlaube, Immobilien – weniger um Geldanlage. Obgleich eine gute Geldanlage im Grunde ja auch jeder hat bzw. braucht, etwa zur ergänzenden Altersvorsorge, um die Lücken der längst überforderten Rentenkasse weiter zu stopfen. Und selbst die Anleger verbinden damit oft nichts. Zu abstrakt, Aktien und Fonds sind eben nicht so sexy wie andere Dinge, in die unser Geld fließt. Sein Smartphone kann man, vermeintlich zufällig, neben dem Porsche-Schlüssel auf den Tisch oder die Bar legen. Als Hingucker und Statussymbol, greifbar, begehrlich, beeindruckend. Aber einen Fonds …?
  • Grund drei: Darstellung. Geldanlage wird verkauft – es gibt Vertriebe, Provisionen & Co. Wer es schafft, wie derzeit die Sparkassen-Fondstocher Deka, provisionsstarke Zertifikate zu verkaufen wie geschnitten Brot – der darf sich nicht beschweren, dass Fonds so schlecht angenommen werden. Das Problem ist vielmehr, dass die Branche zu kleinteilig gegeneinander arbeitet, statt im Ansatz breiter zu kooperieren. Wichtig wäre eine einheitliche Klassifizierung, warum sich grundsätzlich „Produkt X“ zum Einstieg in die Kapitalmärkte eher eignet und eben nicht „Produkt Y“, das zwar höhere Provision und etwas mehr Rendite abwirft, aber bestimmt nicht dem ausgewogenen Chance-Risiko-Verhältnis des Sparers dient. Dass sich beispielsweise mit breit über Branchen, Regionen und Ländern streuenden und professionell gemanagten Fonds Risiken deutlich minimieren und verlässliche Erträge erzielen lassen, geht zu oft unter. Ob die Bereitschaft zum Verständnis fehlt – oder ein kundenfreundlicheres Angebot: fast ein Henne-Ei-Problem.

 

Sei besser – und sprich darüber!

Selbstverständlich, Performance und Kosten spielen eine wichtige Rolle: Nur knapp ein Viertel aller Aktienfonds und 16 Prozent aller Rentenfonds konnten ihre Benchmark, wie den deutschen Leitindex DAX, im vergangenen Jahr schlagen. Heißt aber auch: Die besten Fondsmanager leisten schon etwas für ihre Kunden. Schlussendlich muss die Kommunikation darüber besser werden. Die guten Gesellschaften, also die mit den Überfliegern, müssen ihre Kompetenz klarer herausstellen.

Ein Premium-Anbieter mit entsprechender Fonds-Performance hat unterm Strich gute Chancen, sich von der Masse der Mitläufer abzusetzen. Insbesondere die derzeit auch vom Verbraucherschutz stark beworbenen ETFs sind stark abhängig von den zunehmend wechselhaften Kapitalmarktlaunen. Wer hier als aktiver Fondsmanager verlässlicher ist und sein Können kommunizieren kann, überzeugt auch irgendwann den kritischsten Verbraucher.

Das schafft langfristig dann Vertrauen. Das A und O in der Geldanlage.

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# Sparen # Niedrigzinsen # Aktienfonds

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