Keine Angst vorm IPO: Frisches Kapital für Asset Manager

06.09.2018 Kapitalmarkt & Investor Relations von Carsten Böhme & Dr. Ina Kolanowski 

Ruhige Zeiten sind in der Asset-Management-Branche vorbei. Zunehmender Druck auf die Margen durch Regulierung, Internationalisierung und Innovation bringt Bewegung in die Branche. In den Führungsetagen müssen wichtige Weichen für die Zukunft gestellt werden: Den bisherigen Weg weiter alleine gehen, auf eigene Exzellenz und Unabhängigkeit setzen? Oder besser aktiv in das Konsolidierungsgeschehen eingreifen? Beides erfordert zunehmend Investitionen, wenn auch letztere Option einen noch deutlich höheren Kapitaleinsatz bedeutet.

Als ein mögliches Zukunftsmodell könnte sich in dem Zusammenhang die Börsennotierung etablieren. Spätestens seit dem IPO der DWS sind wir auch in Deutschland für diese Möglichkeit sensibilisiert worden. Der Kapitalmarkt bietet ausreichend finanzielle Mittel, um attraktive Geschäftsmodelle zu finanzieren.

Ein Blick auf die Liste der 400 größten Fondsgesellschaften weltweit zeigt, dass von ihnen heute erst rund 15 Prozent börsennotiert sind. Darunter finden sich namhafte Adressen wie Marktführer Blackrock, Amundi, Standard Life Aberdeen, Janus Henderson, Jupiter oder Franklin Resources. Allesamt sind äußerst aktiv in der Entwicklung ihrer Geschäftsplattformen – aber sind sie auch Vorbilder für die übrigen 85 Prozent?

Der große Vorteil der Börsennotiz liegt in einer zunehmend wettbewerbsintensiven Branche auf der Hand: Der relativ leichte Zugang zu Kapital. Gleichzeitig müssen allerdings vielfältige Herausforderungen gemeistert werden, die in erster Linie die hohen Transparenzanforderungen mit sich bringen.

Gleich die ersten Herausforderungen sind mit dem Börsengang zu nehmen: Zum einen bei der Entwicklung und Kommunikation einer überzeugenden Equity Story nach außen, zum anderen bei der begleitenden Change-Kommunikation nach innen, die oft vernachlässigt wird. Mitarbeiter, idealerweise zugleich neue Aktionäre, müssen die Öffnung nach außen verstehen und mittragen. Denn ab Tag eins nach dem Börsengang wird das Unternehmen ins Rampenlicht gestellt: Quartalsberichte, Analysten-Meetings, CEO-Interviews. Da ist nicht immer eitel Sonnenschein zu erwarten. Mögliche schlechte Zahlen kommen sofort an die Öffentlichkeit –und drücken extern und intern auf die Stimmung. Die Kunden wiederum erkennen bei überdurchschnittlich hohen Margen, dass es Verhandlungsspielraum gibt, während der Wettbewerber, der mit dem IPO zum Anteilseigner wurde (Amundi hält beispielsweise DWS-Aktien und umgekehrt), in One-on-one-Gesprächen möglichst viel über die Geschäftsstrategie und -entwicklung wissen will.

Also als Fondsgesellschaft besser einen Bogen um die Börse machen?

Nein! Das Management kann durch professionelle Investor Relations und Kommunikation die Risiken der erhöhten Transparenz eingrenzen und die Chancen des Kapitalmarktes für den langfristigen Unternehmenserfolg nutzen. Von daher ist zu erwarten, dass die DWS nicht der letzte IPO der Branche gewesen ist. Auch nicht in Deutschland.

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# Asset Management # Börsengang # IPO # Kapital

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