Strafzinsen: Eine neue Angst geht um

08.08.2019 Kapitalmarkt & Investor Relations von Johannes Zenner 

Pech für Sparer: Nix los fürs Moos. Das Institut der deutschen Wirtschaft sagt, dass wir mindestens bis zum Jahr 2050 mit Mickerzinsen leben müssen. Der Hintergrund:

1. Gesellschaft: Die Zinsen in allen Industrieländern sinken schon seit Beginn der 1990er-Jahre. Liegt am demografischen Wandel. Wir werden immer älter. Beispiel: Deutschland. Immer mehr Menschen bereiten sich auf ein langes Leben vor, sparen zunehmend für später. Folge: Weniger Ausgaben, weniger Zinsspielraum.

2. Wirtschaft: Parallel gehen die Investitionen der Unternehmen zurück, auch weil die Geschäftsbeziehungen, ohnehin weltweit immer vernetzter, weniger kalkulierbar und damit steuerbar werden. Die Risikobereitschaft sinkt. Dieser Investitionsstau drückt auch den Zins.

Die Notenbanken geben dabei den Takt vor. Jüngst hat die US-amerikanische Fed wieder Zinssenkungen angekündigt. Die EZB, zuständig für Europa, ist seit Langem ein Kellerkind.

Schlimmer geht immer

Die Finanzbranche hierzulande zittert. Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken reagieren mit Entsetzen auf die verschärften Vorgaben. Sie fürchten um Erträge. Dabei ist die Profitabilität vieler deutscher Geldhäuser jetzt schon sehr schlecht. Auch Firmenkunden leiden, weil sie mitunter Zinsen auf ihre Einlagen ab einer bestimmten Höhe zahlen müssen. Heißt: Statt Nullzins sogar Strafzins.

Banken haben hier ein Kommunikationsproblem. Dabei spitzt sich die Lage zu. Manche Häuser stellen auch ihren Privatkunden Negativzinsen in Aussicht. Aber niemand erklärt Lieschen Müller, warum. Fakt ist: Negative Zinsen sind ein letzter verzweifelter Versuch, volkswirtschaftlich und im Privatkundengeschäft einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden. Minuszinsen sorgen für unangenehme Diskussionen, wie das Beispiel Nassauische Sparkasse zeigt. Sollten nun über vermögende Kunden hinaus plötzlich alle Kontoinhaber Strafzinsen zahlen müssen, werden sich Politik und vor allem Verbraucherschützer viel stärker engagieren. Und auch ein kritisches Medienecho dürfte gewiss sein.

Klartext, bitte!

Ihren Kunden sollten Banken daher präventiv mindestens mal den Dominoeffekt erläutern: Fängt eine Bank mit Minuszinsen für Privatkunden an, müssen die anderen nachziehen. Wenn beispielsweise die Deutsche Bank Strafzinsen einführt, werden die Sparkassen mit den eilig abgezogenen Einlagen geflutet. Dieser Aderlass käme einem Systemzusammenbruch gleich. Ein Monopolist, der dann deutschlandweit den Ton angibt? Will niemand.

Also, liebe Banken, warum erklärt ihr nicht einfach, dass ihr eigentlich gegen Minuszinsen seid – aber nachziehen müsst, wenn einer den ersten Schritt macht. Redet. Denn das schafft Verständnis – und das ist Grundlage für Vertrauen. Die Basis für Treue. Eure Kunden müssten es euch doch wert sein.

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# Zinsen # Sparen # Kommunikation # Banken

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