Warum die Fondsbranche auch in Zukunft Charisma brauchen wird

15.02.2019 Kapitalmarkt & Investor Relations von Kim Schach 

In der Fondsbranche vollzieht sich aktuell ein Generationenwechsel. An der Spitze vieler aktiver Asset-Manager nehmen Branchengrößen ihren Hut und verabschieden sich in die Rente. Logisch, dass das vor allem für die betroffenen Häuser viele Fragen aufwirft. Aber auch die Branche insgesamt muss beantworten, wie es weitergeht, wenn nach und nach die bekanntesten Gesichter die große Bühne verlassen. Mit Blick auf die weiter voranschreitende Digitalisierung sei die grundsätzliche Frage erlaubt: Ist der Hype um passive Investmentprodukte ein Beispiel dafür, dass „echte Typen“ für Anleger keine Rolle mehr spielen? Sind Starfondsmanager überhaupt noch zeitgemäß?

In Zukunft werden Daten wichtiger sein als Stars. – Dr. Jens Ehrhardt, DJE Kapital AG

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen des aktiven Fondsmanagements ist ernüchternd. Allein im vergangenen Jahr zogen Anleger mehr als 488 Milliarden US-Dollar aus aktiven Fonds ab. Die Financial Times sprach treffend vom Flowmageddon (€). Die Passiven hingegen sammelten rund 472 Milliarden US-Dollar ein. Was also, wenn auf Gross und Co. kein Generationenwechsel folgen muss, weil Algorithmen ihren Job besser erledigen? Indexnahe Produkte haben schließlich gute Argumente auf ihrer Seite, denn sie sind aus Sicht vieler Anleger günstiger und liefern in nicht wenigen Fällen gute Ergebnisse.

Reputation braucht Vertrauen

Nun sind Kosten und Produktperformance gerade in einer zahlengetriebenen Branche wie dem Fondsmanagement wichtige Faktoren für die Kaufentscheidung jedes Anlegers. Allerdings wird der Erfolg eines Unternehmens maßgeblich von seiner Reputation beeinflusst. Die Produktqualität zahlt ohne Zweifel auch auf die Unternehmensreputation ein. Es gehört aber mehr dazu. Für dauerhaften Erfolg wird es nicht ausreichen, ausschließlich günstige Produkte anzubieten.

Reputation wird insbesondere von handelnden Personen, in erster Linie den Fondsmanagern, aber auch CEOs und Chefvolkswirten, gebildet. – Carsten Böhme, Instinctif Partners

Nun könnte man einwenden, dass einem Anleger das größte Charisma seines Portfolioverwalters nichts nützt, wenn Algorithmen das angelegte Kapital besser verwalten als der Mensch. Bei Geld hört bekanntlich die Liebe auf. Aber ohne „echte Typen“ besteht für Unternehmen die Gefahr, verwechselbar und farblos zu sein.

Allein die Tatsache, dass der Abgang der erwähnten Fondsgrößen eine Nachricht ist, zeigt, dass auch im digitalen Zeitalter Charisma, Individualität und Persönlichkeit faszinieren und Werte schaffen. Denn am Ende sind menschliche Eigenschaften wichtige Treiber für die Reputation eines Unternehmens. Vertrauen lässt sich durch Maschinen so einfach nicht ersetzen.

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# Fondsbranche # Flowmageddon # Unternehmensreputation

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