Wie viel Sicherheit bietet Transparenz?

29.04.2014 Kapitalmarkt & Investor Relations von Michael Müller 

Vor einigen Tagen hat die Deutsche Börse ihren Best Practice Guide: „Entry Standard für Unternehmensanleihen - Empfehlungen für Anleiheemissionen“ veröffentlicht, der unter anderem Anforderungen für Emittenten, begleitende Banken und Berater im Rahmen einer Anleiheemission enthält. So weit so gut – würde nicht in der Zwischenzeit ein findiges Research-Unternehmen unter Verweis auf neue Transparenzstandards in eben diesem Best Practice Guide auf Kundenfang gehen und die Unternehmensführungen so mit neuen Kostenfragen konfrontieren.

Anlass genug, vielleicht noch einmal inne zu halten und zu überlegen, was Transparenzvorschriften eigentlich bewirken können und was nicht.

Nicht ohne Grund erhält man auf der Internetseite der Börse Frankfurt bei der Abfrage von Wertpapierkursen im Freiverkehr unter anderem folgenden Hinweis: „Anleger und Investoren müssen sich über die Tatsache bewusst sein, dass die EU-vereinheitlichten hohen Transparenzanforderungen und strengen Anlegerschutzbestimmungen für organisierte Märkte nicht gelten.“

Anleger sind also in erster Linie selbst gefordert, sich über die entsprechenden Unternehmen und deren Kommunikationsverhalten zu informieren und für sich als akzeptabel oder nicht akzeptabel einzustufen. Über einen Mangel an Information kann sich ohnehin kaum einer beklagen, gibt es doch zu jeder Emission einer Mittelstandsanleihe einen umfangreichen Wertpapierprospekt, der jedem Anleger zur Verfügung steht. Wem nach der Lektüre das Geschäftsmodell, die Unternehmensstruktur, das Management, die Sicherheiten oder die Mittelverwendung nicht transparent oder sicher erscheinen, der kann einfach die Finger davon lassen. Alle anderen jedoch haben die Risiken dieser Geldanlage gekannt und akzeptiert.

Auch nach der Emission liegt das Problem ja nicht darin, dass nicht bereits genügend Transparenzvorschriften vorhanden wären, sondern vielmehr in deren Umsetzung durch die Unternehmen. Zur Erinnerung: Die Information über wesentliche Unternehmensereignisse ist an praktisch jeder Börse selbstverständlich verpflichtend - unabhängig von Quartalen, Halbjahren oder sonstigen Terminen. Wenn die Anleger im Falle des Falles natürlich trotzdem nicht zeitnah unterrichtet werden, dann bietet auch die Abwesenheit schlechter Nachrichten keine Sicherheit mehr. Ein Blick in die Vergangenheit offenbart weitere Grenzen der Regulierungswut: So galten etwa am ehemaligen Neuen Markt sehr strenge Transparenzvorschriften. Kommuniziert wurde auf Teufel komm raus, nur leider eben nicht immer die Wahrheit, so dass viele Anleger am Ende Geld verloren. Auch Anleiheemittenten sind in diesem Zusammenhang nicht frei von Makeln. So gerieten mehrere Emittenten in Zusammenhang mit ihren Insolvenzen ins Visier der Staatsanwaltschaft, weil Anleger über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens getäuscht worden sein sollen.

Festzuhalten bleibt: Transparenzvorschriften waren hier eigentlich genügend vorhanden – hundertprozentige Sicherheit gegen Fehlinformationen bieten aber auch die strengsten Vorschriften nicht.

Letztendlich muss man feststellen, Transparenz- und Verhaltensstandards sind eine feine Sache, sofern sie denn auch umgesetzt werden. Dabei kommt es nicht so sehr auf die Quantität der entsprechenden Vorschriften an, sondern vielmehr auf die Qualität der Umsetzung durch die Unternehmen. Eine Sicherheitsgarantie wird es aber niemals geben. Das ist das natürliche Risiko einer Investition und wird durch einen entsprechenden Zins mitvergütet.

# Börse # Aktien

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