Amazon, Black Friday und die Tücken der Cyber-Welt

06.12.2018 Krise & Wandel von Dr. Hubert Becker 

„Datenpanne bei Amazon!“ Diese Nachricht elektrisierte im November – kurz vor dem „Black Friday“ – die Medien und die Fachwelt des Cyber-Risikomanagements. Personenbezogene Daten, nämlich Namen und E-Mail-Adressen von Nutzern, waren kurzfristig auf der Plattform offen sichtbar. In Zeiten der DSGVO ein alarmierendes Zeichen. Offenbar waren bei einigen Produktrezensionen die entsprechenden Absender erkennbar.

Das Problem wurde bekannt, weil die Betroffenen darüber durch Amazon informiert worden sind. Soweit die korrekte Kommunikation. Doch die moderne Cyber-Welt ist extrem schnell und vor allem kommunikativ kaum einzufangen: Über Social-Media-Kanäle verbreiteten einige der Betroffenen diese Information sofort weiter. Amazon jedoch lieferte keine zusätzliche Aufklärung. Weder zur Zahl der betroffenen Adressen noch zur Dauer des Vorfalls. Auch nicht zu Ursachen. Eine offizielle Presseerklärung auf der Website gibt es nicht.

Nun war hier wohl kein Hacker am Werk, sondern es gab ein Problem mit dem Content-Management-System. Doch die Reaktionen im Netz zeigen, mit welchen Folgen Unternehmen bei Datenpannen rechnen müssen, auch wenn kein materieller Schaden entsteht.

Winner oder Loser?

Auf Basis der Studie „Reputation Risk in the Cyber Age“ von Portland Analytics lässt sich eine klare These herleiten: Die Gefahren – aber auch die Chancen – in Krisenfällen sind gewachsen. Warum? Social Media!

Die Studie zeigt anhand von Daten aus den Jahren 2000 und 2018, dass die Wirkung von Krisen auf den Unternehmenswert zugenommen hat. Dazu teilt die Studie von Krisen betroffene Unternehmen in zwei Gruppen: Solche, die langfristig an Wert verlieren und solche, die sich (trotzdem) gut entwickeln: Winners and Losers!

 

 

Abb.: Wertentwicklung von Unternehmen (n=125) nach einer Krise 2000 vs. 2018 (Quelle: Portland Analytics, 2018)

Der Vergleich der Daten zeigt eine um etwa fünf Prozent gewachsene Auswirkung von Krisen auf die Entwicklung des Unternehmenswertes. Und ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Zeiträumen ist die massive Verbreitung von Social Media und deren Relevanz für die Reputation von Unternehmen. Die These, dass Social Media die Wirkung von Krisen auf die Reputation verstärkt, dürfte valide sein.

Reaktion der ersten Tage entscheidet

Aber die Studie zeigt eben auch, dass Unternehmen aus Krisen gestärkt hervorgehen können. Wesentlich dafür ist die angemessene Kommunikation in den ersten fünf Tagen. Sie entscheidet über den Erfolg der Kommunikation: Winner oder Loser? Ein guter Grund also, sich sofort um die richtige Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu kümmern!

# Cyber-Risikomanagement # Social Media # Krise # Reputation

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