Deutsche Autobauer am Abgrund

24.07.2017 Krise & Wandel von Sibylla Küster

Mit dem Bekanntwerden der manipulierten Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen von VW im September 2015 nahm das Drama seinen Lauf. Die deutsche Automobilindustrie wird seitdem mit beängstigender Regelmäßigkeit von neuen Skandalen erschüttert. Der aktuelle Vorwurf wiegt schwer: Bereits seit Jahren sollen sich VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler heimlich über Fahrzeuge, Kosten und Zulieferer abgesprochen haben – und auch darüber, wie mit der Abgas-Affäre umzugehen ist. Dass dies über Selbstanzeigen von Daimler und VW ans Licht gekommen sein soll, tröstet dabei kein bisschen. Zwar müssen die EU-Kommission und das Bundeskartellamt die Vorwürfe erst noch prüfen – dennoch ist der Imageschaden der deutschen Vorzeigeindustrie schon jetzt enorm – im In- und Ausland. Der Verdacht erschüttert nicht nur Kunden und Investoren, auch die Politik wird ihren Umgang mit der Autoindustrie und -lobby überdenken müssen.

Die Branche hat es knallhart erwischt. Denn zeitgleich mit dem andauernden Handling von Krisen und Skandalen arbeiten die Autobauer am gigantischen Umbruch hin zur E-Mobility – und bekommen von Carsharing & Co. ordentlich eingeheizt. In der Folge stehen außer der Reputation vor allem auch viele Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Ein Blick auf den Umgang mit der Finanz- und Bankenkrise lässt erahnen, was in Zukunft auf die Automobilbranche zukommen könnte. Sicher ist, dass sich die Industrie einem radikalen Wandel und vor allem einer stärkeren Kontrolle wird unterziehen müssen – und das wird teuer. Noch teurer wird es allerdings, wenn es Porsche, Daimler & Co. nicht schaffen, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Sowohl nach innen als auch nach außen. Wie sollen die Mitarbeiter von VW noch stolz darauf sein können, für VW zu arbeiten? Wie sollen sie sich noch mit der Marke identifizieren können?

Krisenkommunikation ist hier gefragter denn je! Denn immer mehr geht es mittlerweile auch um das wichtigste Asset der Branche: den Ruf von „Made in Germany“. Die Autoindustrie als die deutsche Industrie schlechthin muss alles daran setzen, ihre Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, gegenüber der Belegschaft und der Öffentlichkeit. Ziel muss sein, durch intensivste Kommunikationsarbeit den durch die Skandale entstandenen Schäden entgegenzuwirken und die Reputation wiederaufzubauen. Mit einer reinen Kooperation bei der Aufklärung oder einem schlichten „Es tut uns leid“ wird es nicht getan sein.

# Krise # Diesel # Automobilindustrie

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