Fall Behrends lässt Berliner CDU in die Kommunikationsfalle tappen

30.09.2016 Krise & Wandel von Kim Schach 

Sexistische Sprüche, Verleumdungsvorwürfe und nun auch noch angebliche Affären hochrangiger Politiker: Die Berliner CDU führt derzeit eine öffentliche Schlammschlacht – und macht nach der Berliner Wahl deutlich, wie schnell Reputation nachhaltig beschädigt werden kann. Statt die unerfreulichen Ergebnisse der Wahl zu analysieren, bezichtigen sich Parteikollegen öffentlich der Falschaussage und versuchen, durch Rückgriff auf eidesstattliche Aussagen, ihre eigene Glaubwürdigkeit zu retten. So verkommt die Debatte über Sexismus in der Politik zu einem Lehrstück über reputationsschädigendes Verhalten.

Was ist passiert? Eine Woche nach der Wahl in Berlin veröffentlichte die frisch gewählte CDU-Bezirksverordnete Jenna Behrends im Online-Magazin „Edition F“ einen offenen Brief an ihre eigene Partei. Die Autorin beschreibt eine politische Kultur der Berliner CDU, deren sexistische Strukturen an längst vergangene Zeiten erinnern. Die Autorin behauptet, sie sei von einem hochrangigen Senator als „süße Maus“ abgekanzelt worden. Und Parteikollegen hätten Gerüchte über angebliche Affären gestreut, um Behrends als kalkulierende Karrieristin darzustellen.

Erwartungsgemäß schlug Behrends Brief hohe Wellen. Die Resonanz reichte von spontanen Solidaritätsbekundungen bis hin zu offenen Anfeindungen. Unter dem Hashtag #sexismusinparteien diskutierte das Netz den Fall Behrends. Was als sachliche Debatte begann, hat sich aber mittlerweile für alle Beteiligten zum Reputationsfiasko entwickelt.

Sandra Cegla und Zana Ramadani, beide ebenfalls CDU-Mitglieder in Berlin-Mitte, holten in einer von ihnen veröffentlichten Pressemitteilung zum Gegenschlag aus. Zunächst unter der Prämisse, der Anstand verbiete es, „öffentlich schlecht über Personen zu reden“, stellten sie direkt im Anschluss die Integrität Jenna Behrends infrage. Sie selbst sei es doch gewesen, die Gerüchte um Affären mit Spitzenpolitikern gestreut hätte.

Wie wir es drehen und wenden: Am Ende stehen alle Beteiligten als Verlierer da. In diesem Blog haben wir bereits öfter darauf hingewiesen: Zentral für die Reputation einer Organisation oder eines Unternehmens ist die Glaubwürdigkeit ihrer bzw. seiner Repräsentanten. Unter einem in der Öffentlichkeit ausgetragenen Streit leiden Glaubwürdigkeit und Reputation gleichermaßen.

Politik muss öffentlich sein – politische Streitkultur öffentlich stattfinden. Aber die Eskalation dieses öffentlichen Streits offenbart auch das Fehlen einer Krisenkommunikationsstrategie. Im digitalen Medienzeitalter sind eine schnelle Reaktion, aber vor allem koordinierte Kommunikationsabläufe gefragt, um einem sich rapide ausweitenden Vertrauensverlust entgegenzuwirken. Der Öffentlichkeit müsste eine alternative Einordnung der Situation präsentiert werden: Warum widerspricht die Ursache der Krise dem Wertekanon der Partei? Was tut die Berliner CDU dafür, diese Debatte konstruktiv zu nutzen? Antworten auf diese Fragen müssen gefunden und glaubhaft kommuniziert werden. Andernfalls verselbstständigt sich die Diskussion mit ungewissem Ausgang für alle Akteure.

# Kommunikationsfalle # Reputation # Sexismus # Krisenkommunikation # CDU

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