Ohne meinen Anwalt sage ich (fast) alles

08.06.2018 Krise & Wandel von Thomas Stein

Journalisten sind legitimiert, kritische Fragen zu stellen, besonders in Krisenfällen, die von öffentlichem Interesse sind. Aus Unternehmenssicht geht es dann vor allem darum, durch direkte Kommunikation Transparenz zu signalisieren und Vertrauen bei Journalisten und in der Öffentlichkeit (wieder)herzustellen. Oftmals stehen in Krisen aber auch Rechtsfragen im Raum, die erhebliche Konsequenzen für ein Unternehmen haben können. Eine enge Abstimmung der Kommunikatoren mit Anwälten ist dann regelmäßig sinnvoll – aber auch dann, wenn sich Journalisten nicht an die Spielregeln halten.

Ein Beispiel: Die Krise war eigentlich bewältigt. Das Unternehmen hat intensiv kommuniziert, alle Maßnahmen ergriffen, die den Fehler beseitigt haben, Mitarbeiter und Dienstleister entlassen, die nachweislich und wissentlich fehlerhaft gehandelt haben. Die Medien haben etwa zwei Monate lang intensiv berichtet. Dann schien alles gefragt, gesagt und erledigt. Nur ein Lokalredakteur hatte offenbar Gefallen an dem „Skandal“ gefunden, sodass dieser die Geschichte weitertreiben und blattfüllend für die Regionalnachrichten nutzen wollte. So wurden aus Gerüchten Meldungen, aus Mutmaßungen und falschen Anschuldigungen Tatsachen. Das war der Zeitpunkt, an dem nicht der Kommunikator, sondern der Anwalt das Heft in die Hand nahm – und damit weitere Negativberichte erfolgreich unterband.

Dass ein Unternehmen einen Journalisten mit seinen Fragen an einen Anwalt verweist und nicht an einen mit der Kommunikation beauftragten Verantwortlichen ist die Ausnahme – und sollte es auch bleiben. Eine gute Reputation ist wichtig für ein Unternehmen. Diese hat der Kommunikator stets im Blick. Und er kennt die Regeln hierfür. Eine gesicherte Rechtsposition ist ebenfalls wichtig. Diese und die Regeln dafür hat der Anwalt im Blick. Der Anwalt als „harter Hund“, auch gegenüber Journalisten, kann die Reputation des Unternehmens jedoch schädigen, während eine falsche Botschaft durch den Kommunikationsverantwortlichen dem Unternehmen juristisch schaden kann. Insbesondere in erfolgskritischen Momenten gilt daher: Nur ein gutes Team aus Anwalt und Kommunikationsberater führt ein Unternehmen nachhaltig und erfolgreich aus der Krise.

# BusinessResilience # Krisenkommunikation

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