Zeitenwende allerorten – auch im Asset Management

03.01.2017 Krise & Wandel von Carsten Böhme

Das Jahr 2016 wird Spuren in den Geschichtsbüchern hinterlassen: Der feige Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche war aus deutscher Sicht der traurige Höhepunkt in einem bewegten Jahr. Brexit, Trump, Aleppo – historische Ereignisse, deren Bedeutung erst die Zukunft zeigen wird. Ob wir eine Zeitenwende zum Schlechten erleben, steht nicht in den Sternen, sondern entscheidet sich ganz wesentlich in unseren Köpfen, über unser Handeln und über unsere Kommunikation. Jeder Einzelne muss für sich entscheiden, wie er die Zukunft beeinflussen möchte. Abwartend oder engagiert? Pessimistisch oder zuversichtlich? Zum Guten oder zum Schlechten? Es ist auch eine Haltungsfrage.

Das Gefühl der Zeitenwende existiert in der Weltpolitik und der Wirtschaft. Selten standen so viele Branchen vor substanziellen Veränderungen wie heute, mit entsprechenden Konsequenzen für Unternehmen, Mitarbeiter und Kunden. Die Energieriesen verlieren die Atomkraft, die Banken ihr Investmentbanking – und zahllose Filialen gleich dazu. Hotels streiten mit Airbnb, Taxifahrer mit Uber. Der Einzelhandel gibt zunehmend Marktanteile ans Internet ab, Versicherungsmakler an Fintechs. Während die einen mit neuen Angeboten und Prozessen alte Spielregeln aushebeln, versuchen die anderen nachzuziehen oder den Status quo zu sichern.

Und die Asset-Management-Branche? Die ist von alldem nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Unruhige Zeiten stehen bevor. Jetzt ist Haltung gefragt! Abwarten oder gestalten? Gesundschrumpfen oder intelligent wachsen? Alles scheint möglich in bewegten Zeiten. Nur müssen die Zeichen der Zeit auch richtig erkannt werden. Passive Fonds gewinnen Marktanteile und drücken die Preise, aktive Fonds kommen bei Medien und Regulierern auf die Anklagebank. Wo ist das Alpha? In der Breite sinken folglich die Margen und doch kommen immer noch neue Anbieter auf die Märkte. So schlecht kann es dann ja alles nicht sein? Stimmt! Die Branche ist schlicht erwachsen geworden. Global. Von Technologie getrieben. Zunehmend von den Mutterbanken getrennt. Mit noch immer ordentlichen Margen und professionellen Kunden.

Entsprechend muss jetzt konsequent gehandelt werden. Eine klare Positionierung im Markt identifiziert und eingenommen werden. Passend zu den eigenen USPs. Dazu gehört, dass die Reputation systematisch aufgebaut und geschützt wird. Relativ leicht haben es die fokussierten Spezialisten: Sie müssen ihren Weg nur konsequent gehen, ihn leben – zunehmend international – und passend kommunizieren. Qualität steht im Vordergrund. Carmignac, DJE oder Muzinich lassen grüßen. Bei den vermeintlichen Dickschiffen sieht die Sache allerdings etwas anders aus. Skaleneffekt ist hier das Leitmotiv. Größe bedeutet idealerweise Preis- oder Vertriebsvorteile. Dies wird jedoch durch Regulierung, passive Produkte und fordernde Kunden erschwert. Fusionen à la Janus und Henderson oder Sparprogramme könnten Antworten auf der Suche nach Skaleneffekten sein. Beides bedeutet komplizierte Change-Prozesse, die in- und extern kommuniziert werden müssen.

Das latente Gefühl der Zeitenwende geht in allen Bereichen einher mit einer wachsenden Anforderung an die Kommunikation. Will man in Politik und Wirtschaft nicht ins Abseits geraten, muss man mit seinen eigenen Botschaften durchkommen. Inhaltlich und emotional. Dafür sind eine große Portion Empathie notwendig – und ein gutes Verständnis für die sich ebenfalls rasant verändernde Medienwelt.

# AssetManagement # Krise # Wandel

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