Der deutsche CEO, das unpolitische Wesen

01.09.2017 Unternehmenskommunikation von Thomas Stein

Wissen Sie, wie der CEO der Deutschen Post, Frank Appel, zur AfD steht? Oder Daimler-Chef Dieter Zetsche zur Entdemokratisierung in der Türkei? Nein? Kein Wunder. Deutsche CEOs äußern sich öffentlich selten oder gar nicht zu politischen Themen. Damit vermeiden sie zwar Angriffsfläche auf ihr Unternehmen, aber sie verschenken auch Chancen für mehr Sympathie.

Es gehört nicht zu den Aufgaben eines CEOs, Parteipolitik offen zu unterstützen. Aus Verantwortung für das Unternehmen muss er sich jedoch mindestens für eine Politik einsetzen, die einen sicheren Rahmen für das Unternehmen setzt und das Marktumfeld gestaltet. Als „Corporate Citizen“ stehen Firmenchefs darüber hinaus aber auch für gesellschaftliche Werte. In diesem Sinne sind Vorstände zu einer aktiven Rolle in der Gesellschaft verpflichtet und müssen den Begriff CSR weiter fassen als bisher. Bei der unternehmerischen Verantwortung geht es nicht nur um die optimierte Ökobilanz in der Produktion oder darum, soziale Projekte zu unterstützen. Aktiv für demokratische Werte einzustehen, ist heute mindestens genauso gefragt.

Welches kommunikative Potenzial eine klare politische Positionierung birgt, lässt sich am Beispiel der US-amerikanischen Firmenchefs nachvollziehen, die aus Protest Trumps Beratergremium verlassen haben. Wer kein Anhänger des Ku-Klux-Klans ist, empfindet hier größte Sympathie für die konsequente Haltung der Vorstände. Auslöser war Trumps Widerwillen, die rassistischen und antisemitischen Demonstrationen sowie den Mord an einer Studentin eindeutig zu verurteilen. Zuvor hatten sich bereits die Chefs von Tesla und Disney nach Trumps Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen öffentlich vom Präsidenten distanziert und ihre beratende Tätigkeit eingestellt. Die anschließende Medienresonanz war weltweit überwältigend – und äußerst positiv.

Und in Deutschland? Es muss nicht erst zu rassistischen Übergriffen kommen, bevor ein Unternehmenschef sich klar positionieren sollte. Die juristisch ungerechtfertigte Inhaftierung deutscher Journalisten beispielsweise oder die ausländerfeindlichen Äußerungen von Politikern können Anlass sein, persönliche, aber auch unternehmerische, Haltung zu zeigen, Werte öffentlich zu vertreten und zu verteidigen. Politischer Klartext und eine werteorientierte Haltung sind unabdingbar für eine gute Corporate Governance. Für den ersten Schritt nach vorne braucht der CEO dafür nur eines – etwas Mut!

# Parteipolitik # CEO # Haltung # Corporate Social Responsibility # Corporate Governance

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