Die Leitmedien und das Sommermärchen

26.10.2015 Unternehmenskommunikation von Matus Qurbany

Was denn nun? Basierte der Zuschlag für das Sommermärchen auf einer perfekten Präsentation oder doch nur auf dem schnöden Mammon? Seit Tagen streiten sich der Spiegel auf der einen Seite und erboste Journalisten aus der ganzen Republik auf der anderen Seite, ob die WM 2006 in Deutschland gekauft war oder nicht. Doch anstatt die Aufklärung des Skandals seriös voranzutreiben, kratzen die Medien mit der Art der Berichterstattung an ihrer eigenen Reputation.

Dabei werden dem Spiegel grobe Verstöße gegen den seriösen Journalismus vorgeworfen. Es blieben mehr Fragezeichen offen als Antworten geliefert würden. Ein journalistischer Offenbarungseid, so die Meinung der Spiegel-Kritiker. Tatsächlich kann der Spiegel keine konkreten Beweise vorlegen. Dass aber weder der DFB noch ehemalige Mitglieder des Organisations-Kommittees die ominöse Zahlung von 6,7 Millionen Euro an die FIFA erklären können, bleibt unbestritten.

Insbesondere Alfred Draxler, Chefredakteur der Sport-Bild und Bild-Kolumnist, hat sich in den vergangenen Tagen als größter Kritiker des Spiegel-Berichts in den Vordergrund „gespielt“. Kurz vor der Pressekonferenz am 22. Oktober des DFB nahm Alfred Draxler den Inhalt der Pressekonferenz in einem groß aufbereiteten Artikel bei Bild-Online vorweg. „So war es wirklich: Sommermärchen nicht gekauft!“, schrieb Draxler und schob direkt den Grund dafür nach, warum seine Recherchen – im Gegensatz zu denen des Spiegel – absolut richtig seien: Weil er die handelnden Personen wie Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach, Günter Netzer und Fedor Radmann seit Jahren gut, teils sogar sehr gut kenne. Ihm sei bewusst, dass er mit diesem Artikel seine Reputation als Journalist und Reporter aufs Spiel setze. Nachdem sich DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in der anschließenden Pressekonferenz aber um Kopf und Kragen redete, wurde der Bild-Artikel wundersamerweise von der Startseite in die hinterste Ecke des Sportteils verfrachtet.

Wie Unternehmen ihren guten Ruf aufs Spiel setzen, haben wir gerade erst bei VW verfolgen können bzw. können es weiterhin verfolgen. Glaubwürdigkeit schafft Reputation, die wiederum Unternehmenswert schafft. Dies sollte im Journalismus nicht anders sein. Leider bleibt bei den extremen Standpunkten, die von den zwei größten Leitmedien Deutschlands in dieser Causa vertreten werden eben dies auf der Strecke: die Glaubwürdigkeit.

# Kommunikation # Reputation

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