Kommunikation bei M&As – das Zünglein an der Waage

11.08.2016 Unternehmenskommunikation von Carsten Böhme & Dr. Ina Kolanowski 

Chinas Investitionen in Europa sind massiv gestiegen, besonders im deutschen Mittelstand. So hat zum Beispiel Waichei Power mit der Kion Gruppe Europas führenden Anbieter im Bereich Gabelstapler und Lagertechnik übernommen. Sany Heavy Industry konnte mit Putzmeister einen höchst innovativen Spezialmaschinenbauer erwerben, der weltweit für seine Betonpumpen geschätzt wird. Dieser Trend sorgt in Deutschland aber vielerorts für Unbehagen. Das wurde zuletzt in der Berichterstattung zur Übernahme des deutschen Roboter-Herstellers Kuka durch den chinesischen Technologiekonzern Midea deutlich. Ob Medien und Politik hierbei zusätzlich Öl ins Feuer gegossen haben oder ob es tatsächlich Grund zur Verunsicherung gibt, bleibt vorerst offen. Im Fall Kuka hat es den Anschein, der Investor verfolge eine langfristige Strategie, mit Arbeitsplatzsicherheit bis 2023.

Daneben gibt es aber auch unseriöse bzw. dilettantische Übernahmeversuche, wie im Fall des Flughafens Frankfurt-Hahn durch den vermeintlichen chinesischen Investor Shanghai Yiqian Trading. Diese Blamage mag in erster Linie der Reputation der Landesregierung Rheinland-Pfalz und der beteiligten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG schaden. Gleichwohl ist dies ein Fall, der deutsch-chinesische Transaktionen in Gänze in ein schlechtes Licht rücken kann – zumal es aus Kommunikationssicht weitere unglückliche Beispiele in Europa gibt. So blieb bei der, letztlich geglückten, Übernahme des Toulouser Flughafens Blagnac durch das chinesische Konsortium Symbiose der Investor lange Zeit im Dunkeln.

Der wirtschaftliche Erfolg der Kion- und Putzmeister-Transaktionen zeigt jedoch, welches Potenzial in chinesischen Übernahmen steckt. Wichtig für den Erfolg sind dabei vor allem zwei Aspekte: Erstens müssen die beiden Unternehmen natürlich strategisch und kulturell zusammenpassen. Hier ist ein umfangreiches kulturelles Wissen von beiden Seiten gefragt. Zweitens darf die Bedeutung der internen und externen Kommunikation bei solchen Deals nicht unterschätzt werden: In unserem schnellen, viralen Medienzeitalter kann Verunsicherung bei den beteiligten Stakeholdern – Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten, Politikern, Journalisten, Regulierern – ganz schnell zu Ablehnung führen.

Huanping Zhang, ein Kenner der Branche und Experte für deutsch-chinesische M&As weiß, worauf es ankommt: „Offene Kommunikation und die Fähigkeit, sich in die jeweilige Gegenseite hineinzuversetzen, sind wichtige Erfolgsfaktoren für grenzüberschreitende M&A-Transaktionen. Chinesische Geschäftsleute haben noch sehr wenig Erfahrung mit Öffentlichkeitsarbeit. Aus Angst vor fehlerhafter Kommunikation wird Kommunikation teilweise gemieden“, sagt der Leiter der M&A- und Investment-Boutique Eurasian Consulting.

Das vollständige Interview mit Huanping Zhang zu grenzüberschreitenden Investitionsprojekten mit Fokus Deutschland und China in Böhmes Small Talk.

# M&A # Deutschland # China # KUKA

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