„Politisches CEO-Profiling“ für die Unternehmenskommunikation

20.09.2019 Unternehmenskommunikation von Thomas Stein 

Siemens-Chef Kaeser macht’s, Trumpf-Chefin Leibinger-Kammüller macht es auch, und gelegentlich lässt sich Post-Chef Appel ebenfalls dazu hinreißen: Sie äußern sich öffentlich zu politischen Themen. Ist das sinnvoll? Und wenn ja, wann und wie?

Soweit wie Joe Kaeser ging noch keiner. Im Sommer 2019 bezeichnete er den US-Präsidenten öffentlich als Rassisten. Hintergrund waren dessen Angriffe auf vier Politikerinnen der demokratischen Partei. Ihnen sprach Donald Trump ab, US-Amerikaner sein zu können, und wollte sie daher in ihre vermeintlichen Heimatländer zurückschicken. Nicola Leibinger-Kammüller wiederum gab in einem Interview an, auswandern zu wollen, wenn es in Deutschland zu massiven Einschränkungen der Bürgerrechte käme. Der bekanntermaßen CDU-nahen Unternehmenschefin wird eine freundliche Beziehung zur Kanzlerin nachgesagt. 2016 gaben sie der Wirtschaftswoche ein gemeinsames Interview. Frank Appel wiederum machte sich für die Europa-Wahl stark. In Interviews warnte er vor „populistischen Rattenfängern“ und aufkommender Fremdenfeindlichkeit. Seine Mitarbeiter rief er auf, wählen zu gehen.

Politisches CEO-Profiling schafft „Chefs mit Kante“

So langsam tut sich etwas in Deutschland. Chefs nehmen ihre unternehmerische und gesellschaftliche Verantwortung wahr, ohne vor politischen Themen haltzumachen. Wenn politische Entwicklungen und Entscheidungen den Unternehmenszielen entgegenlaufen, ist der Sachverhalt klar. Ein Unternehmenslenker kann und muss sich dann zu kritischen Themen einbringen, um für Mehrheiten für seine eigene politische Agenda zu werben. Nicht immer ist die Verhandlung hinter verschlossenen Türen mit politischen Entscheidern hier das geeignete Mittel der Wahl. Ebenso sind fremdenfeindliche Stimmungen und Beschränkungen der Freiheit der Bürger relevant für die Unternehmen. Im exportorientierten Deutschland mit Kunden in aller Welt und im Wettbewerb um gut ausgebildete und meist auch politisch interessierte Fach- und Führungskräfte liegt es im Interesse der Unternehmen, als weltoffener und verantwortungsbewusster Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.

Mit Blick auf die Unternehmenskommunikation empfiehlt sich das „Politische CEO-Profiling“. Kommunikationsexperten und CEOs besprechen dabei, zu welchen Themen sich der Unternehmenschef äußert, welche Haltung er einnimmt und wozu er Interviews gibt. Gemeinsam entscheidet das Team, welche politischen Entwicklungen sie oder er gegebenenfalls nicht kommentieren. Es ist nicht zwingend erforderlich, dass der CEO mit seinen Statements stets mehrheitsfähig ist. Vielmehr schafft das Profiling eine klare Linie bei den Inhalten, ist Basis für Glaubwürdigkeit und lässt den Unternehmenschef „mit Kante“ authentisch für ein ebenso starkes Unternehmen dastehen.

# CEO-Profiling # Politik # Gesellschaft # Verantwortung

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