Was Fintechs von Craft-Bier lernen können

17.07.2018 Unternehmenskommunikation von Kim Schach & Lee Jones 

Fintechs sind Herausforderer. Sie stehen vor der nicht gerade beneidenswerten Aufgabe, es mit multinationalen Konzernen aufnehmen zu müssen, die auf über viele Jahre gewachsenem Markenwert und Verbrauchervertrauen aufbauen können. Es gibt allerdings eine Branche, in der die Underdogs gegen die größten Marken antreten und gar nicht so selten als Sieger hervorgehen: Craft-Bier.

Die vielleicht größte Herausforderung für Fintechs besteht darin, die Verbraucher auf ihre Seite zu ziehen. Sie müssen sie davon überzeugen, den etablierten Banken und traditionellen Marken den Rücken zu kehren und sich für das Unbekannte zu entscheiden. Das ist eine Herkulesaufgabe: Studien in Großbritannien zeigen, dass sich Briten eher scheiden lassen, als ihre Bank zu wechseln. Mit Blick auf das in Geldfragen konservative Deutschland dürfte das nicht anders aussehen.

Fintechs können ein oder zwei Dinge von der Craft-Bier-Branche lernen, die vor ganz ähnlichen Markteintrittsbarrieren stand.

Noch vor einem Jahrzehnt wurde die große Mehrheit des verkauften Bieres von einigen multinationalen Getränkeherstellern gebraut. Das ist heute nicht mehr der Fall, Craft-Bier ist im Mainstream angekommen. In Deutschland gibt es mittlerweile fast 1.500 Brauereien – so viele wie nie seit der Wiedervereinigung.

Wie konnten sich die hippen Brauereibetriebe etablieren und den arrivierten Anbietern Marktanteile abnehmen?

1. Handwerk statt Massenproduktion

Craft-Bier-Brauereien haben den enormen Wandel der Verbraucher hin zu „handgemachten" und „handwerklichen" Produkten genutzt. Von Seife bis zu Schuhen gibt es einen Trend gegen die Massenproduktion. Neben der Nachfrage sind der Online-Handel und die geringen Eintrittsbarrieren für kleine Unternehmen dafür die Basis. Fintechs täten gut daran, darüber nachzudenken, wie auch sie zu „Handwerkern“ werden können. Vielleicht, indem sie sich auf die Qualität ihres Angebots konzentrieren und darauf achten, die Zeit, Mühe und Liebe hervorzuheben, die Menschen in die Herstellung ihres Produkts investiert haben.

2. Halten Sie es lokal

Ein Teil des Craft-Bier-Erfolgs ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass es traditionell ein lokales Geschäft ist. Ganz einfach, weil Bier eine sehr begrenzte Haltbarkeit hat. Es war schon immer so, dass Schankstuben, Marken und sogar Bierrezepte die Regionen widerspiegeln, in denen sie gebraut werden – und nichts verkauft sich so gut wie eine Prise Lokalpatriotismus. Fintechs sollten das beachten, indem sie ihren lokalen Bezug betonen und ihren Wurzeln treu bleiben.

3. Verwässern Sie es nicht

Bier ist nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Kritiker des Reinheitsgebotes bemängeln, dass dieses bewährte Prinzip immer häufiger unterlaufen wird und mehr minderwertige, massenproduzierte Produkte entstehen. Der Geschmack leidet aufgrund von Kostenoptimierung. Fintechs sollten kommunizieren, dass sie Qualität achten und sich auf die wenigen einfachen Zutaten konzentrieren, die ihr bestes Produkt ausmachen. Hierzu zählen zum Beispiel eine überlegene technische Plattform, ein besserer Kundenservice und benutzerfreundlichere Produkte.

Craft-Bier ist im Aufwind: Das Konsumentenverhalten ändert sich, der Status quo wird infrage gestellt und der Wunsch nach „keep it simple“ steht wieder mehr im Vordergrund. Wenn sich Fintechs diese Marktdynamik zu eigen machen, haben sie gute Chancen, die etablierten Marken dauerhaft herauszufordern.

Auf’s Wohl!

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