Neue Nachhaltigkeitspflichten für Unternehmen – die Zeit läuft

29.10.2016 Kapitalmarkt & Investor Relations von Michael Knecht 

Seit knapp vier Wochen liegt nun ein Regierungsentwurf für das Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten (CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz) auf dem Tisch. Damit soll die CSR-Richtlinie der EU (EU-Richtlinie 2014/95), die am 22. Oktober 2014 vom Europäischen Rat verabschiedet wurde, in deutsches Recht umgesetzt werden. Höchste Zeit, denn bis zum 6. Dezember 2016 muss die Umsetzung abgeschlossen sein.

Mehraufwand der Nachhaltigkeitspflicht

Die Umsetzung der Richtlinie bringt vor allem eins: neue Berichtspflichten für Unternehmen. Betroffen sind insbesondere große kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften im Sinne des §267 Abs. 3 HGB mit im Jahresdurchschnitt mehr als 500 Mitarbeitern, also solche, die mindestens eines der beiden folgenden Größenmerkmale überschreiten: 20 Millionen Euro Bilanzsumme oder 40 Millionen Euro Umsatzerlöse. Sie müssen zukünftig in ihren Lageberichten eine sogenannte nichtfinanzielle Erklärung aufnehmen. Kapitalgesellschaften, die in den Konzernabschluss eines Mutterunternehmens einbezogen sind, sind von der Berichtspflicht befreit.

Die geforderten Inhalte des Nachhaltigkeitsberichts umfassen:

  • eine kurze Beschreibung des Geschäftsmodells

  • Umweltbelange

  • Arbeitnehmerbelange

  • Sozialbelange

  • die Achtung der Menschenrechte

  • die Bekämpfung von Korruption und Bestechung

Für alle Unternehmen, die sich bisher noch nicht mit diesen Themen auseinandergesetzt haben, wird es nun ernst. Denn die Neuregelungen sind anwendbar auf alle Berichte für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2016 beginnen. Somit bleibt in der Regel nur noch etwas mehr als ein Jahr Zeit, um die entsprechende Datenerhebung, -auswertung und konsolidierung – gerade auch auf Konzernebene – zu organisieren und umzusetzen. Der Zeitaufwand hierfür sollte nicht unterschätzt werden, hier können bei erstmaliger Anwendung schnell mehr als 2.000 Arbeitsstunden zusammenkommen.

Nachhaltigkeitsberichtspflicht: Integriert oder separiert?

Das Gesetz sieht vor, dass Gesellschaften, die für dasselbe Geschäftsjahr einen gesonderten Nachhaltigkeitsbericht, den nichtfinanziellen Bericht, außerhalb des Lageberichts erstellen, von der neuen Berichtspflicht befreit sind – sofern dieser die Anforderungen an die nichtfinanzielle Erklärung erfüllt.

Dieser nichtfinanzielle Bericht muss spätestens sechs Monate nach dem Abschlussstichtag auf der Internetseite der Gesellschaft veröffentlicht werden und dort zehn Jahre lang verfügbar sein, sofern im Lagebericht darauf Bezug genommen wird. Dies erlaubt eine zeitliche Entflechtung von Lagebericht und nichtfinanzieller Berichterstattung und somit eine Entlastung der personellen Ressourcen. Ein besonderes Schema für die nichtfinanzielle Berichterstattung ist nicht vorgegeben: Die Gesellschaft kann hierfür alle geeigneten nationalen, europäischen oder internationalen Rahmenwerke nutzen. Dazu gehören etwa die Global Reporting Initiative (GRI) oder der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK).

Empfehlung zur Nachhaltigkeitsberichtspflicht

Wer den Hochdruck der Jahresabschlusserstellung nicht noch zusätzlich verstärken will, sollte auf jeden Fall von der Möglichkeit eines gesonderten nichtfinanziellen Berichts Gebrauch machen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil manche nichtfinanziellen Daten vielleicht sogar erst später im Jahr vorliegen.

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