Schlaflos in Wolfsburg

04.09.2018 Kapitalmarkt & Investor Relations von Ursula Querette 

Insiderinformationen, deren Bekanntwerden den Aktienkurs erheblich beeinflussen können, unterliegen der Pflicht zur Ad-hoc-Publizität. Die verantwortlichen Manager von börsennotierten Unternehmen müssen dabei auf Unverzüglichkeit, eine sachliche und klare Sprache sowie angemessene Verbreitung achten. Die von Elon Musk getwitterte Information, Tesla von der Börse nehmen zu wollen, mag aus einem Gefühl der Gereiztheit heraus unverzüglich gewesen sein – die Meldung wurde aber weder im Aktionariat angemessen verbreitet noch klar erläutert. Schlaflosigkeit und Überarbeitung können hier nicht als Entschuldigungen gelten.

Nach europäischen und deutschen Börsenregeln müssen Insiderinformationen über ein „weitverbreitetes elektronisch betriebenes Informationssystem und ein Bündel von Medien zur europaweiten Verbreitung“ unverzüglich (also Ad-hoc) veröffentlicht werden. Es dürfen keine werblichen Aussagen in der Meldung enthalten sein. Sowohl die Deutsche Börse als auch die BaFin überprüfen in einer halbstündigen Vor-Veröffentlichungsfrist, ob gegebenenfalls der Börsenkurs ausgesetzt wird. Ein Verstoß gegen die Ad-hoc-Pflicht kann teuer werden und mit bis zu 2,5 Millionen Euro bzw. 2 Prozent des Konzernumsatzes geahndet werden.

Auch Volkswagen hat möglicherweise im Zuge des Dieselskandals gegen die Pflicht zur Ad-hoc-Publizität verstoßen. Seit dem Auftauchen eines entsprechenden Schriftstücks wird dies aktuell erneut rechtlich geprüft. Ein Kapitalanleger-Musterverfahren zu diesem Thema beginnt am 10. September 2018. Nicht als Ursache der Pflichtverletzung, sondern als Folge wird auch hier der ein oder andere Manager ab sofort mit Schlaflosigkeit zu kämpfen haben.

Manager von börsennotierten Unternehmen sollten mit ihren Aktionären sorgsam und vertrauensvoll umgehen. Schließlich stellen sie das Eigenkapital zur Verfügung. Umgekehrt sollten sich die Aktionäre intensiv mit „ihrer“ Gesellschaft auseinandersetzen und grundsätzlich Geduld bei ihrem Investment walten lassen. Diverse Studien zeigen, dass sich gerade für Privatanleger Langfristigkeit beim Aktien-Investment auszahlt. Bei der Bekanntgabe von Insiderinformationen ist jedoch besondere Wachsamkeit empfohlen und das Investment kritisch zu hinterfragen.

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# Ad-hoc-Publizität # Insiderinformationen # Dieselskandal # Kapitalanleger-Musterverfahren

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