Schrei vor Glück? Wo bleibt die Aktienkultur bei Börsengängen?

10.10.2014 Kapitalmarkt & Investor Relations von Ursula Querette 

Anfang der Woche kommentierte der Platow Brief die Börsengänge von Zalando und Rocket Internet wie folgt: „Der ziemlich verunglückte Börsenstart von Zalando und Rocket Internet war alles andere als eine Werbeveranstaltung zur Förderung der deutschen Aktienkultur. Obwohl beide Neuemissionen mehr als zehnfach überzeichnet waren und die vorbörslichen Graumarktkurse auf satte Zeichnungsgewinne hindeuteten, verlief der Börsenstart für beide Unternehmen mehr als holprig. Während der Zalando-Aktie am ersten Börsentag (…) schnell die Puste ausging (…), hob Rocket Internet gar nicht erst ab (…).“

Was ist passiert?

Waren die Bewertungsansprüche der Altaktionäre zu hoch? Haben die Banken die Kurse zu wenig gestützt? Waren die Investoren nur auf schnelle Zeichnungsgewinne aus? Wurden gar die falschen Investoren angesprochen?

Was die Investorenauswahl angeht, stellt sich zum Beispiel die Frage, warum keine Privatanleger einbezogen wurden. Schließlich sind sie in der Regel langfristig orientiert und könnten daher sogar kursstützend wirken. Darüber hinaus werden die meisten von ihnen vermutlich bereits als Konsumenten in irgendeiner Weise Erfahrungen mit den Samwer-Internet-Geschäftsmodellen gesammelt haben. Dennoch sollten sie selbstverständlich nur dann die Aktie zeichnen, wenn sie sich ausführlich mit dem Investment Case auseinander gesetzt haben. Aber Privatanleger von vornherein auszuschließen – quasi zu entmündigen –, darf eigentlich nicht die Lösung sein. Denn das wird die deutsche Aktienkultur nicht befeuern. Schade, schließlich beginnt der IPO-Markt in Deutschland gerade erst wieder Tritt zu fassen.

Eine andere Frage wäre, wie hoch der Reputationsverlust nach einem verpatzten Börsenstart ist? Lässt er sich wertmäßig durch einen (zu) hohen Emissionspreis ausgleichen? Beim Börsengang von Alibaba wurde der Emissionspreis bewusst niedriger angesetzt als das Orderbuch erlaubt hätte. Dadurch konnte hier, nach dem Facebook-IPO-Dilemma, ein fulminanter Börsenstart erzielt werden. Und der aktuelle Börsenkurs liegt auch heute noch weit über Ausgabepreis (plus 32 Prozent). Zalando dagegen liegt per heute 16 Prozent und Rocket Internet gar 20 Prozent unter Ausgabepreis (Stand: 9. Oktober 2014).

# Immobilien # Finanzierung # Anleihe # Kommunikation

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