2020: Das Jahr der Nachhaltigkeit – auch wirtschaftlich

08.01.2020 Nachhaltigkeit von Johannes Zenner 

Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) sind wichtige Schlagworte für Unternehmen. Doch der Mittelstand duckt sich noch weg. Besser wären klare Bekenntnisse.

Was viele Unternehmenslenker nicht vergessen dürfen: Die EU-Kommission hat bereits 2018 auf Basis der Ziele des Pariser Klimaabkommens und der Agenda 2030 der Vereinten Nationen einen Aktionsplan zu Klimaschutz und erstrebenswerter Unternehmensführung aufgestellt. Mit den Zielen, die Kapitalflüsse nachhaltiger auszurichten, Nachhaltigkeit stärker im Risikomanagement zu integrieren und die Transparenz nachhaltiger Produkte, etwa im Finanzbereich, zu fördern.

Das Beste daran ist: Es zahlt sich auch wirtschaftlich aus. Das Einhalten weltweit akzeptierter Standards der Nachhaltigkeitsbereiche Environment, Social und Governance (ESG) beflügelt laut Studien die Aktienkurse der Unternehmen. Wer sich wiedersetzt, geht demnach auf lange Sicht existenzielle Risiken ein. Ein Reputationsschaden, etwa durch Umgehen von Umweltauflagen, wirkt sich dauerhaft negativ aus – auch betriebswirtschaftlich. Kein kurzfristiger Gewinn kann dies dauerhaft wettmachen.

Nach Greta Thunberg, Fridays For Future & Co.: Wird 2020 also auch zum Nachhaltigkeitsjahr für die Wirtschaft? Gut möglich. Firmen merken: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Erst kürzlich kündigte eine führende US-Bank auf Zehnjahressicht ein Ziel von 750 Milliarden US-Dollar für nachhaltige Investitionen an, die sich auf den Klimawandel und integratives Wachstum konzentrieren. „Es besteht nicht nur dringender Handlungsbedarf“, sagte David Solomon, CEO von Goldman Sachs, der Financial Times, „sondern einhergehend eine mächtige Wirtschafts- und Investitionsverantwortung. Klimawandel und integratives Wachstum sind zentrale Themen für die Wirtschaft, unsere Kunden und uns selbst.“

Walk the Talk

Die US-Bank fordert, eher untypisch für Wirtschaftsakteure, die kooperative Unterstützung des Staates. Konkret: Regierungen müssen die Kosten für den CO2-Ausstoß verteuern, etwa durch eine CO2-Steuer oder ein Cap-and-Trade-System, also eine Art Handel mit Emissionszertifikaten. Daraus resultierende Anreize schaffen Kapital für kohlenstoffarme Lösungen und fördern Innovationen. Kernbotschaft: Politik, Industrien und Finanzmärkte müssen an einem Strang ziehen. Bloße Lippenbekenntnisse, halbgare Kompromisse und vage Ziele sind keine Option mehr.

Chancen für Mittelständler

Das alles betrifft aber nicht nur die großen Spieler, etwa im US-amerikanischen Aktienindex S&P 500 und im deutschen DAX. Nachhaltigkeit gewinnt rasant an Bedeutung für kleinere Unternehmen. Mittelständlern sollte branchenübergreifend dieser globale Megatrend mindestens so wichtig sein wie Digitalisierung. Ob für Investoren, Geschäftspartner, Kunden und nicht zuletzt Mitarbeiter, Firmen müssen ihnen gegenüber Farbe bekennen. Sie sollten den Forderungen nach Nachhaltigkeit sowie CSR transparent begegnen – nicht nebenbei, sondern systematisch verankert entlang ihrer Wertschöpfungskette.

So zeigt eine Wesentlichkeitsanalyse, was sich individuell zugeschnitten an Zielen und Maßnahmen effektiv empfiehlt. Nämlich eine klare Kommunikationsstrategie und ein tragfähiges Kommunikationskonzept, beispielsweise eingebettet in eine integrierte Berichterstattung nach dem Global Reporting Initiative-Standard (GRI) oder dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). Unterm Strich: Haltung haben, handeln – und darüber kommunizieren bzw. im Dialog bleiben.

# CSR # EU # Nachhaltigkeit # Wesentlichkeitsanalyse

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