Die Schnittstelle von Klimawandel und COVID-19 ist real

14.06.2020 Nachhaltigkeit von Louise McLaren 

Häufig sehen wir den Klimawandel und COVID-19 als einzelne, voneinander getrennte Störfaktoren an, die heutzutage unser Leben prägen. Dabei ist ihre Schnittstelle einen Blick wert.

Fairerweise muss man sagen, dass sich viele Regierungen angesichts der unzähligen Herausforderungen durch COVID-19, darauf konzentriert haben, die unmittelbaren Brände zu bekämpfen. Im Großen und Ganzen hat der Klimawandel noch keine derart dringliche Notsituation geschaffen. Außer – und das ist bemerkenswert – in Ländern, die große Waldbrände erlebt haben.

COVID-19 ist eine schnelle, dynamische Gesundheitskrise, die sich zu einer gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Krise entwickelt. Der Klimawandel bewegt sich auf einer anderen Zeitskala. Eine Störung, die unsere Welt nicht im gleichen Maße aus dem Gleichgewicht gebracht hat, wie das Coronavirus – noch nicht. Wir können den Klimawandel immer noch auf eine Weise übersehen, wie es mit COVID-19 einfach nicht möglich ist. Aber es besteht die Gefahr, dass er unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden, unsere gesellschaftliche Stabilität, unsere wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und unsere Lebensweise tiefgreifender und dauerhafter schädigt als die gegenwärtige Pandemie.

Tatsächlich sind diese zwei zeitgleich auftretenden Notstände – in einigen Ländern wurde das Klima als Notfall anerkannt – miteinander verflochten. Doch inwiefern?

Der Weltrat für Biologische Vielfalt (IPBES) sagt hierzu: „Zügellose Entwaldung, unkontrollierte Ausdehnung der Agrarkulturen, intensive Landwirtschaft, Bergbau und Infrastrukturentwicklung sowie die Ausbeutung wildlebender Arten haben einen 'perfekten Sturm' für eine Überschwemmung von Krankheiten geschaffen.“

Der Bericht erklärt, dass eine anhaltende Schädigung der Umwelt das Risiko erhöht, Pandemien auszulösen. Das geschieht, indem mehr Menschen mit Tieren in Kontakt kommen und mit ihnen in Konflikt geraten und von denen 70 Prozent der neu auftretenden menschlichen Krankheiten stammen.

Parallel dazu machen Urbanisierung und der steigende weltweite Flugverkehr es leichter als je zuvor, Viren weltweit zu verbreiten.

Es liegt auf der Hand, dass die Zusammenhänge zwischen der natürlichen Umwelt und dem Risiko von Pandemien dringend stärker untersucht werden müssen. Die für 2021 geplanten klimawissenschaftlichen Berichte der UNO werden außerdem die Zusammenhänge zwischen Pandemien und der Belastungen durch Menschen auf die natürliche Welt untersuchen, um politische Entscheidungsträger auf der ganzen Welt anzuleiten.

Ein positiver Aspekt: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um „wieder besser aufzubauen“. Wir können COVID-19 und den Klimawandel auf eine positive Art und Weise miteinander verbinden – wobei das eine die Fortschritte bei der Bewältigung des anderen vorantreibt.

Der European Green Deal, der von der Europäischen Kommission im Dezember 2019 auf den Weg gebracht wurde, umreißt einen Rahmen von Regelungen und Gesetzen. Sie steuern darauf hin, die Ziele der EU von Netto-Null-Kohlenstoffemissionen bis 2050 zu erreichen sowie die Emissionen bis 2030 um 50% bis 55% gegenüber dem Niveau von 1990 zu senken. Überall in Europa betonen Wirtschaftsführer die Notwendigkeit der Coronavirus-Erholung als Chance für einen Neustart, um eine nachhaltigere, stärker integrative Wirtschaft aufzubauen.

Wir alle können positive Veränderungen vorantreiben, wenn wir jetzt die Gelegenheit ergreifen.

# Nachhaltigkeit # Klimawandel # COVID-19 # Pandemie

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