Über EU-Wahlplakate und was wir von ihnen lernen können

24.05.2019 Public Affairs von Dr. Sebastian Schweinfurth und Alexander Weinberger 

Am Sonntag ist in Deutschland Europawahl. Doch viele der Wahlberechtigten scheinen sich zu fragen: Welche Wahl habe ich überhaupt, und wofür stehen die Parteien? Gerade zwischen den (ehemaligen) Volksparteien CDU/CSU und SPD nehmen die Wähler kaum inhaltliche Unterschiede wahr. Einer repräsentativen Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey zufolge sagen beispielsweise 47,4 Prozent der potenziellen SPD-Wähler, dass sich die beiden Parteien „weniger stark“ voneinander unterscheiden. Wodurch entsteht dieses Bild?

Schauen wir uns die aktuellen Wahlplakate an, um diese Frage zu beantworten: Während die CDU beispielsweise mit dem Slogan „Frieden ist nicht selbstverständlich“ wirbt, bleibt die SPD direkt bei einem kurzen und knackigen „Frieden“, garniert mit dem Hashtag #EUROPAISTDIEANTWORT. Beim Wähler bleibt als Botschaft hängen: Wenn ich der Union meine Stimme gebe, wähle ich eine Partei, die sich für den Frieden einsetzen möchte. Wow! Und gebe ich der SPD meine Stimme, wähle ich eine Partei, die sich für den Frieden einsetzen wird. Wow, vollkommen unerwartet! Und eben sehr ähnlich.

Eher Strategie- und Umsetzungs- als Analyseproblem

Schon nach der Bundestagswahl 2017 analysierte die SPD: „Insgesamt hat es die SPD nicht vermocht, inhaltliche Unterschiede zu ihren Koalitionspartnern CDU und CSU klar zu machen.“ Ausgehend von einem Kommunikationszyklus aus Analyse, Strategieentwicklung, Umsetzung und Evaluation, scheint zumindest die SPD eher ein Strategie- und/oder Umsetzungsproblem als ein Analyseproblem zu haben.

Nicht in der Masse untergehen

Natürlich ist es richtig, die Europäische Union inhaltlich mit „Frieden“ und „Zusammenhalt“ zu verbinden. Aber es ist genauso wichtig, auf den Punkt zu kommen, um zu überzeugen und nicht in der Masse kaum zu unterscheidender Slogans unterzugehen. Eine bekannte Politikerin und ein Europa-Hoodie scheinen dafür nicht auszureichen. Wir sollten nicht vergessen, dass vor allem extreme Positionen davon profitieren, wenn etablierte Parteien sich kaum voneinander unterscheiden.

Nun sind Wahlplakate vielleicht nicht die geeignete Fläche für ausufernde Parteiprogramme, aber eine gewisse programmatische Ausrichtung müssen sie erkennen lassen. Sie müssen Charakter zeigen, nicht vollkommen vorhersehbar sein, dem Wähler verdeutlichen, was einer Partei oder einem Kandidaten wirklich wichtig ist.

All das lässt sich herunterbrechen auf die Frage: Welches Medium nutze ich mit welcher Botschaft, um meine Zielgruppen zu erreichen und zu überzeugen? Zieht man die aktuellsten Umfragen als Indikator heran, sind Wahlplakate mit der simplen Botschaft „Frieden“ nicht die Antwort auf diese Frage. Für die Kommunikation im politischen Bereich gilt also: Erfolgreiche Kommunikation benötigt eine saubere und treffende Analyse, damit Strategie und Umsetzung verfangen. Denn nur wenn die richtigen Botschaften auf den richtigen Wegen vermittelt werden, kann die abschließende Evaluation ein positives Ergebnis erbringen. Für Parteien bedeutet das vor allem: mehr Stimmen.

# Europawahl 2019 # Unterscheidbarkeit # Parteiprogramme

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